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Celle Stadt Vom Verdacht des versuchten Mordes freigesprochen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vom Verdacht des versuchten Mordes freigesprochen
20:46 18.02.2010
Celle Stadt

CELLE (aja). Entfernte Verwandte und ein ehemaliger Betreuer hatten die Obduktion eines im Jahre 2005 verstorbenen schwerkranken Mannes veranlasst, wobei erhöhte Werte des Wirkstoffes Aricept festgestellt wurden. Eine von mehreren Todesursachen hatten rechtsmedizinische Untersuchungen damals schon ergeben.  „Er war todkrank“, sagte Rechtsmediziner Professor Klaus-Steffen Saternus, „da war nichts zu retten.“ Doch die Verwandten ließen nicht locker und wollten die Haushälterin des alten Mannes verantwortlich machen. Nachdem die Eröffnung des Hauptverfahrens in Lüneburg abgelehnt worden war, begann der Strafprozess gegen die Angeklagte Anfang des Jahres, auf Beschluss des Oberlandesgerichts Celle.

„Die Werte des Wirkstoffes seien zwar erhöht aber das heißt nicht, dass diese Erhöhung der Werte tatsächlich auf eine Überdosierung zurück zuführen sei“, wertete der Vorsitzende Richter des Schwurgerichts, die umfänglichen Ergebnisse von vier Gutachtern, die sich ausgiebig mit den Todesursachen des an Parkinson im letzten Stadium leidenden Mannes, befasst hatten. Es sei nicht zweifelsfrei auszuschließen, dass die erhöhten Werte Folge einer verzögerten Resorption sei. Wenn eine Überdosierung nicht zweifelsfrei feststellbar ist, kann niemand zweifelsfrei für eine Überdosis verantwortlich sein, brachte Kruse den Freispruch auf eine logische Formel, die maßgeblich auf den rechtsmedizinischen Gutachten fußt.

Doch das allein genügte der Kammer nicht zur Begründung des Freispruchs. Präzise arbeitete der Vorsitzende der 4. Großen Strafkammer in seiner Urteilsbegründung das Beziehungsgeflecht, in dem sich die Angeklagte und der pflegebedürftige vermögende Mann befanden, auf. „Dr. Pfennig hatte nur zwei Freunde, seinen Rechtsanwalt, der ihm half den unliebsamen Betreuer loszuwerden und seine Haushälterin, die ihn mit ihrer resoluten Art wunschgemäß vor dem Pflegeheim oder Krankenhaus bewahrte.“ 

„Es sollte einem alten vermögenden Mann zugestanden sein, frei über sein Vermögen zu verfügen, auch wenn das von Außenstehenden als unvernünftig bezeichnet wird“, betonte Kruse. Im Verhältnis zu seinem Gesamtvermögen habe der vom Tod gezeichnete Mann nur einen minimalen Teil dafür eingesetzt, dass er seine letzten Tage so verbringen konnte, wie er sich das wünschte. „Gar nicht unvernünftig“, wies Verteidiger Kurt-Peter Bulang nach. Er habe es sich leisten können seiner Haushälterin ein angemessene Aufwandsentschädigung für die Rundum-Versorgung zu zahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte nach Schluss der Beweisaufnahme ebenfalls Freispruch beantragt und nach dem Urteil auf Rechtsmittel verzichtet.

Von Angelika Jansen