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Celle Stadt Von Borstel: Celle ist ein Ruhepol für mich
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Von Borstel: Celle ist ein Ruhepol für mich
16:14 24.08.2017
Von Jürgen Poestges
Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle Stadt

Johannes Hinrich von Borstel, wie ich erfahren habe, haben sie private Kontakte nach Celle.

Ja, das stimmt. Der Vater meines besten Kumpels wohnt in Celle. Wir waren früher oft im Morlock und im „Gegen den Strich“, als es das noch gab. Heute bin auch noch häufig in der Stadt, dann wohne ich in der Lindenstraße. Ich mag Celle sehr, habe Teile des Buches dort geschrieben. Celle ist für mich ein Ruhepol.

Wenn man ein Buch über das Herz schreibt, dann geht man nicht unbedingt davon aus, dass es auf der Spiegel-Bestseller-Liste landet und in so viele Sprachen übersetzt wird. Was ist das für ein Gefühl?

Ein total tolles, ich glaube immer noch, dass ich träume. Ich habe bei mir zu Hause in Marburg ein ganzes Regal, auf dem nur meine Bücher stehen. Ich hatte wirklich großes Glück. Der Ullstein-Verlag hat mich angesprochen, ob ich das Buch schreiben könne. Als ich die Nachricht bekam, dass das Buch auf der Bestseller-Liste steht, stand ich kurz vor meiner ersten Lesung in Dresden. Damals wollte ich das gar nicht glauben. Ich bin aber nicht allein für den Erfolg verantwortlich, das ist das Werk von ein paar Menschen.

Was ist für Sie die skurrilste Sprache, in die Ihr Buch übersetzt wurde?

Oh, da gibt es einige. Russisch ist ungewohnt, aber das hat man ja schon mal irgendwie gesehen. Ich würde sagen, koreanisch ist eine exotische Sprache. Allein zu sehen, aus welchen Schriftzeichen sich mein Name zusammensetzt, ist skurril. Wenn ich die Zeichen in ein Übersetzungsprogramm eingebe, kriege ich nur eine Lautschrift angezeigt. Ich weiß immer noch nicht, wie ich die aussprechen soll.

Haben Sie denn noch Zeit für Ihr Medizin-Studium?

Das liegt zur Zeit auf Eis. Ich bin so viel unterwegs, dass ich keine Zeit dafür habe. Aber mir macht das Reisen so viel Spaß. Ich komme an Orte, von denen ich nie gedacht hätte, da mal hinreisen zu können. Ich war in Nowosibirsk, ich war in Mexiko City – das ist alles gerade sehr aufregend.

Poetry Slam ist bekannt. Was versteht man denn unter Science Slam?

Das ist ein Wettbewerb, in dem man in zehn Minuten versucht, ein wissenschaftliches Thema so zu erklären, dass es jeder versteht. Das ist gerade in der Medizin nicht einfach. Man muss schon den Elfenbeinturm verlassen und sich klar machen, welches Vokabular man seinem Gegenüber überhaupt zumuten kann. Ich glaube, das erklärt auch den Erfolg solcher Bücher, es gibt ja noch ein paar mehr zu medizinischen Themen. Die Menschen sind interessiert daran, etwas über ihren Körper zu erfahren, und das in einer verständlichen Sprache.

Was fasziniert Sie am Herz?

Das geht auf meine Kindheit zurück. Mein Großvater ist vor meiner Geburt an einem Herzinfarkt gestorben. Und immer, wenn ich bei meiner Großmutter war, hing dort dieses Schwarz-Weiß-Foto von diesem großen und starken Kerl. Ich wollte schon als Kind wissen, wie es sein kann, dass ein Herz so einen Menschen sterben lassen kann. Meine Eltern haben mich mit vielen Büchern versorgt. Ich konnte also wohl gar nichts anderes machen, als mich auch als Erwachsener mit diesem Organ zu beschäftigen.

Was sind Ihre nächsten Pläne?

Ich arbeite derzeit an einem zweiten Buch. Darüber darf ich aber noch nichts verraten. Es ist eine spannende Sache. Ich hoffe, dass das Buch Anfang bis Mitte des kommenden Jahres fertig ist. Und dann hoffe ich auch wieder ins Studium einsteigen zu können.

Was erwartet die Besucher in Celle?

Sie dürfen sich auf eine Mischung von Lesung und Science Slam freuen. Ich habe noch keine Erfahrung mit Auftritten in einem Zelt. Aber bei Lesungen in Buchhandlungen habe ich ja auch engen Kontakt zum Publikum. Ich werde zum Beispiel einen Herzinfarkt mit meiner E-Gitarre erklären. Es kommen häufig Fragen, und nach dem Auftritt entwickelt sich auch das ein oder andere Gespräch. Ich freue mich auf jeden Fall sehr drauf.