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Celle Stadt Von Sprache und Beziehungen: Jürgen von der Lippe in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Von Sprache und Beziehungen: Jürgen von der Lippe in Celle
20:02 25.10.2015
Von Jürgen Poestges
Quelle: Anne Friesenborg
Celle Stadt

Er hat die Massen auch mit 67 Jahren noch im Griff. „Wir machen jetzt eine gruppendynamische Übung“, erklärte Jürgen von der Lippe gleich zu Beginn seines Auftrittes in der ausverkauften Congress Union Celle am Samstag. Also musste sich das komplette Publikum von den Sitzen erheben. Eine Gruppe sollte die Handflächen aneinander legen, die übrigen Zuschauer einen fiktiven Cocktail-Shaker zwischen die Hände nehmen. Flugs zückte er sein Handy und machte ein Foto. „Jetzt kann ich auf meiner Facebook-Seite posten, dass es auch in Celle gleich zu Beginn meines Auftrittes Standing Ovations gab.“

Der überwiegende Teil seines neuen Programms „Wie soll ich sagen…?“ beschäftigte sich mit der Sprache. Da sei der Beruf prägend. „Wenn sie mal einen Schafscherer sehen, der bei der Arbeit mit den Tieren redet, dann war er vorher Friseur“, erklärte von der Lippe. Es ging auch um Heidi Klums Plusquamperfekt – „Die Jessica war ja ganz entzückend gewesen“ – oder um den Box-Trainer Uli Wegener, der in bewährter Manier seinen Schützling „aus der Ringecke“ durch die Hochzeitsnacht coacht. „Du musst mehr durch die Mitte kommen!“

Und natürlich spielte die Beziehung Mann-Frau eine wesentliche Rolle. „Männer sind eigentlich zu blöd für Beziehungen“, konstatierte von der Lippe. „Sie brauchen Hilfe, aber ich kann ja nicht überall sein.“ Er erzählte von seiner Suche nach Reizwäsche – für ihn natürlich. Sein Fundstück präsentierte er auf der Bühne: Ein knappes Höschen im Elefantenlook mit einem langen Rüssel und großen Ohren. „Das war ein Schlag ins Wasser“, beschrieb er die Reaktion seiner Frau.

Zwischendurch ließ er seine unbestrittenen Qualitäten als Showmaster aufblitzen. In zwei Runden bat er jeweils vier Kandidaten auf die Bühne. Mal mussten sie aus Buchstaben vorgegebener Wörter Sätze bilden – da tauchte unablässig die „deutsche Ente“ in den Sätzen der Kandidaten auf – mal mussten Oldies erraten werden, die er auf dem Saxophon anspielte. Die Zuschauer im Saal hatten ihren Spaß, und durch den Charme des Comedians fühlten sich auch die „freiwilligen“ Quiz-Teilnehmer nicht unwohl. Von der Lippe überzeugte auch als Altrocker Kalle, der seinen Kummerkasten-Blog vorstellte. Einzig sein Auftritt als Rentner, der über die Darmwinde philosophierte, hatte Längen.

Unnachahmlich sind nach wie vor seine Persiflagen auf seine Sänger-Kollegen Peter Maffay, Udo Lindenberg und Herbert Grönemeyer. Neu dazugekommen ist Howard Carpendale, den er den Song „Sandro, der Junge mit den grünen Sandalen“ singen lässt. Und wenn Lindenberg, Maffay und Grönemeyer „Der weiße Vectra“ anstimmen und damit vor den Gefahren im Straßenverkehr warnen, kennt die Begeisterung im Saal keine Grenzen mehr.

Nach knapp zweieinhalb Stunden und einigen Erlebnisberichten – so wurde er in Gladbeck von einer Verkäuferin in einem Schreibwarengeschäft einmal für einen Frauenarzt gehalten - lud von der Lippe dann noch zur Autogrammstunde ins Foyer. Der Tisch war dicht umlagert, die Fans waren offensichtlich mit dem Abend zufrieden.