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Celle Stadt Von der Baustelle des HBG in die Baustelle des Lebens entlassen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Von der Baustelle des HBG in die Baustelle des Lebens entlassen
16:51 24.06.2011
Von Gunther Meinrenken
Entlassungsfeier Hermann-Billung-Gymnasium vl. Andreas Lindhorst, Ursela Barteczko Schulleiter Rudolf Hartmann, Julia Wyrwich und Tobias Lodemann Quelle: Peter Müller
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Denn nicht nur das Geräusch eines Schlagbohrhammers während einer Abiturklausur beeinträchtigte die Schüler. "Wie kein anderer Jahrgang vor Euch kann man Eure Schulzeit als eine permanente Baustelle des Kultusministeriums bezeichnen, habt Ihr doch viele baulich-strukturelle Veränderungen durchlaufen müssen, ehe Ihr verdientermaßen Euer Abiturzeugnis in Empfang nehmen dürft", sagte Vaupel. Damit nahm er Bezug auf die Abschaffung der Orientierungsstufe, einer "von vielen Pädagogen für die Entwicklung der Kinder als durchaus positiv erachtete Institution", auf die Einführung des Zentralabiturs und die vor vier Jahren eingeführte Profilbildung mit der Rückkehr zum Unterricht im Klassenverband sowie auf die einschneidendste Veränderung: die Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre.

Gerade bei letzterem Punkt müsse die Frage erlaubt sein, "ob es Ziel des Gymnasiums sein kann, wie bei einem Fertighaus mit vorgefertigten Bauelementen schnell mit Wissen angefüllte Abiturienten auf den Markt zu bringen, um den Personalbedarf der Wirtschaft zu erfüllen", merkte Vaupel kritisch an. "Die Reformen prasselten auf Euch ein, so dass sich mancher von Euch sicher gefragt hat, ob denn der jeweilige Architekt auch eine Bauvoranfrage gestellt hat, um die Realisierbarkeit und Sinnhaftigkeit seines topmodernen und vor allen Dingen ach so hypernotwendigen Bauvorhabens zu prüfen", meinte der Studienrat, der den Schülern für ihren weiteren Werdegang wünschte - und damit im metaphorischen Bild blieb - dass sie prachtvolle Häuser bauen werden, "wie immer unterschiedlich sie auch aussehen mögen". "Und denkt daran: Das Leben ist und bleibt eine Baustelle", schloss Vaupel.

Auch auf die Schülerredner Claudia Netzel und Robin Gupta hatte die Baustelle HBG einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nach einem Wasserschaden im vergangenen Winter, habe in dem "Indoorwasserpark" eigentlich nur noch der Sprungturm für den Sprung ins kalte Wasser gefehlt".

Trotz dieser Widrigkeiten, so verkündete Schulleiter Rudolf Hartmann stolz, hätten von den 185 zur Abiturprüfung zugelassenen Schüler 176 bestanden. Und das mit einer Durchschnittsnote von 2,59, wobei 31 Abiturienten eine Eins vor dem Komma vorweisen können. Hartmann unternahm sodann einen kleinen Exkurs zum Thema Wissen, den er für seinen letzten Abiturjahrgang vor der Pensionierung mit der Feststellung abschloss: "Sie können mit ruhigem Gewissen ihren Weg fortsetzen. Sie haben Bildung erworben und nicht nur Ausbildung."