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Celle Stadt Vor Auftritt in Celle: Comedian Ralf Schmitz im CZ-Interview
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vor Auftritt in Celle: Comedian Ralf Schmitz im CZ-Interview
16:44 30.06.2017
Von Christoph Zimmer
Celle Stadt

Sie rufen ein paar Minuten später als vereinbart an. Waren Sie in der Schule auch immer erst auf den letzten Drücker im Klassenraum, Ralf Schmitz?

Woher wissen Sie das? (lacht) Ich war größtenteils auf den letzten Drücker in der Schule – aber fast immer pünktlich. Es war wirklich extrem selten, dass ich zu spät kam. Das lag aber auch daran, weil der Bus so früh fuhr und ich eine weite Strecke fahren musste. Auf dem Weg zum Bus bin ich aber meist erst in letzter Sekunde losgelaufen. Da hat man dann entweder den netten Busfahrer, der winkt und hält. Vielleicht hat man dann aber auch den bösen Busfahrer, der die Tür extra zumacht und losfährt.

Waren Sie ein guter Schüler oder mussten Sie viel für gute Noten tun?

Es gibt ein paar blinde Flecken, die ich verdrängt habe. Tendenziell war ich eher ein guter Schüler, leider. Es gab Phasen in meiner Schulzeit. Da hatte ich auch mal eine Streberphase, das war in der achten, neunten Klasse. Die Tasche habe ich dem Lehrer aber nicht getragen. In der Oberstufe nahm das dann aber wieder rapide ab. (lacht) Auch, weil ich dann schon unterwegs war mit verschiedenen Produktionen fürs Theater und weil ich selbst inszeniert habe. Alles natürlich noch laienhaft. Da war das Theaterfeuer längst nicht mehr zu bremsen.

War die Schule auch eine Art Bühne für Sie?

Ja, natürlich. Theater gespielt habe ich während meiner gesamten Schulzeit. Auch im Kindergarten habe ich den Zirkusdirektor mit einem großen Zylinder gespielt. Da gibt es auch noch viele Fotos. Ich kann mich an keine Phase meines Lebens erinnern, in der ich keinen Text gelesen oder ein Requisit besorgt habe.

Sie waren also nicht der typische Klassenclown?

Ich kann mich an einen Streich erinnern. Da war ich sogar Klassensprecher. Ich hatte eine Idee und die Klasse fand es glücklicherweise auch gut. Wir haben uns am 1. April im Innenhof unter den Fenstern versteckt und in den ebenerdigen Klassenraum geguckt. Wir konnten die Lehrerin sehen – aber sie uns nicht. Wir haben uns kaputt gelacht. Sie nicht. Ansonsten waren die Klassiker dabei wie alten Käse unter dem Stuhl des Lehrers verstecken. Aber es war alles noch im Rahmen.

Was haben Sie aus der Schule für Ihr Leben gelernt?

Ich hatte eine tolle Deutschlehrerin, die auch die Theatergruppe geleitet hat. Da wollte ich unbedingt die Rolle des Puck im Sommernachtstraum von Shakespeare haben. Aber ich bekam diese Rolle nicht. Also habe ich eine andere Rolle gespielt, mit der ich zunächst überhaupt nicht zufrieden war. Ich habe sie ausgeschmückt und anders interpretiert und so gemerkt, dass das ja auch geht. Es liegt an dir, was du daraus machst. Das war ein ganz besonderer Schlüsselmoment.

Gibt es Parallelen zwischen der Schule und dem Beruf? Gibt es vor den Auftritten sowas wie Lampenfieber vor den Klassenarbeiten?

Die gibt es bedingt. Auf die sechsstündige Mathearbeit habe ich mich nicht gefreut. Da war ich richtig aufgeregt. Da gingen mir viele Fragen durch den Kopf. Hast du genug gelernt? Schaffst du das? Und in der Zeit? Bei einer Premiere bin ich aufgeregt. Aber da ist die Vorfreude riesengroß und ganz viel Spaß dabei. Klappen die Pointen, die ich mir überlegt habe? Wie reagiert das Publikum? Das ist unglaublich spannend.

Wie nehmen Sie die Reaktionen des Publikums wahr?

Bei den Vorpremieren bin ich immer besonders aufgeregt. Ich kann es ja nicht vorbereiten, wie das Publikum reagiert. Deshalb halte ich mich genau an das, was ich vorbereitet habe. Dann sehe ich genau, ob die großen und kleinen Pointen funktionieren. Der andere Teil meines Programms sind die Improvisationen. Da kann ich nur spontan reagieren. Ich nehme, was kommt. Da bleibt mir nichts anderes übrig.

Was macht den besonderen Charme im Umgang mit dem Publikum aus?

Wenn ich am Anfang direkt ins Publikum gehe, habe ich sofort einen Kontakt zu den Besuchern. Wie sind die Leute drauf und was bringen sie mit? Da ist Manuel, der eine ganz andere Geschichte aus der Schule oder vom Theater mitbringt als Ulrike, die einen Tag später im Publikum sitzt und zufällig ihren Sitznachbarn kennt. Sofort entsteht Kontakt und eine Situation, die mich immer wieder neu fordert. Das bringt mich dazu, mich nicht auszuruhen. Das heißt: Ich muss und will mich auf jeden Abend neu einlassen. Das ist schon anstrengend, wenn man nicht einfach zwei Stunden sein Programm abspult. Aber so bleibt es immer neu und immer unberechenbar. Improvisieren ist wie eine Sucht. Man merkt sofort, wie die Menschen auf das reagieren, was man plötzlich gesagt hat. Und wenn das dann auch noch zu großen Lachern führt, ist das ein tolles Gefühl. Das ist pur. Das ist direkt.

Wie viel Training ist das und wie viel Routine?

Die Grenzen sind da fließend. Was man übt und lernt, ist, sich der Situation voll und ganz zu überlassen. Dazu muss man schnell die Angst ablegen, dass einem spontan nichts einfällt. Man sollte auch nicht vorher groß darüber nachdenken, was man sagt, wenn der Gast noch nicht ausgesprochen hat. Was man sagt, entscheidet man am besten aus dem Bauch heraus. Routine ergibt sich nur bedingt. In der Improvisation zeigt der Künstler seinen Charakter, das macht Improvisation unverwechselbar und authentisch. Es kommt raus, was drin steckt. Es gibt keinen Filter. Es ist persönlich. Im Gegensatz zum festen Programmteil.

Eine Kollegin war bei Ihrem letzten Auftritt in Celle. Sie hat gesagt, Sie seien wie ein Flummi, so agil und aktiv, auf der Bühne gewesen. Ein treffender Vergleich?

Das ist ganz gut beobachtet. Das sagen viele, dass ich immer unterwegs bin. Ich nehme das in der Situation ja gar nicht wahr, weil ich natürlich an ganz andere Sachen denke während des Auftritts. Wenn ich die Auftritte später im Fernsehen sehe, fällt mir das natürlich auch auf. Aus meiner Perspektive, man sagt mir ja immer, ich sei sehr schnell und rede viel, sind die anderen ja eher langsam. (lacht)

Wo gibt es Ruhepausen in Ihrem Leben?

Zum Ausgleich lese ich ein Buch im Garten oder gehe Laufen, fahre Inlineskates oder Fahrrad. Außerdem versuche ich so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie und Freunden zu verbringen. Das kommt in meinem Beruf leider immer etwas zu kurz. Aber keine Sorge: Ich sitze da nicht am Tisch und erzähle permanent Witze. (lacht)

Sie waren vor einigen Jahren schon einmal in Celle. An was erinnern Sie sich?

Da fallen mir gleich ein paar Sachen ein. Nach dem Auftritt habe ich in der tollen Altstadt ein Eis gegessen und mir das Hoppenerhaus angeschaut. Wirklich beeindruckend. In einem Café habe ich eine Frau getroffen, die am Abend vorher in der Vorstellung war und immer noch begeistert war. Das war eine ganz tolle Begegnung. Vielleicht treffe ich die Frau im Dezember ja wieder.