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Celle Stadt Vor dem Machtwechsel im Celler Rathaus
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vor dem Machtwechsel im Celler Rathaus
21:22 09.12.2016
Von Michael Ende
Jörg Nigge Quelle: Ingo Misiak
Celle Stadt

Ein kluger Mann und gewiefter Politiker baut vor. Es ist immer gut, für alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Schon vor Jahren wurde gemutmaßt, dass der in konservativen Kreisen als „linker Sozi“ verschriene Mende sich selbst einen neuen Job in der rot-grünen Landesregierung in Hannover besorgt habe und in Celle die Segel streiche. Doch das geschah nicht. „Die Besten bleiben hier“, proklamierten damals Celles Sozialdemokraten. Hatte Mende keinen Posten an der Leine abbekommen, oder hatte er gar keinen gewollt? Diese Frage blieb offen. Ob ihr prominentester Vertreter auch nach der verlorenen OB-Wahl tatsächlich noch länger in Celle bleibt, ist unklar.

Mende, der aus Kassel an die Aller gezogen war, lässt die Frage offen. Klar ist, dass er sich nicht bereits einen neuen Job, der ihn den Amtsverlust verschmerzen ließe, besorgt hat. Eine SPD-"Postenverlust-Vollkaskoversicherung" hatten die Genossen für ihn offensichtlich nicht abgeschlossen. Mende, der vor seiner Zeit in Celle Ministerialbeamter in Landesdiensten war, nimmt es gelassen. Seine Pensionsbezüge dürften ausreichen. Mende müsste nicht arbeiten. Aber er will. Doch er hat noch Zeit.

„Der Oberbürgermeisterwechsel wird am 24. Februar 2017 erfolgen“, sagt Mende: „Mit Herrn Nigge ist verabredet, dass um 11 Uhr im Foyer in Anwesenheit der Mitarbeiter die Schlüsselübergabe erfolgt.“ Bis dahin werde Mende noch dafür erforderliche Gespräche mit seinem Nachfolger führen, so dass ein reibungsloser Übergang gesichert sei. „Zu meiner beruflichen Zukunft möchte ich mich zurzeit nicht äußern. Sie werden Verständnis dafür haben, dass Angebote nicht öffentlich verhandelt werden können“, so der Noch-OB: „Ich führe allerdings eine Reihe von Gesprächen dazu. Davon hängt ab, ob ich in Celle bleiben kann.“ Angesichts solch vager Aussagen brodelt die Gerüchteküche. Dort heißt es zum Beispiel, dass Mende bei der nächsten Landtagswahl in Celle gegen Thomas Adasch von der CDU antreten könnte. Im Falle eines Sieges könnte Mende so in Hannover arbeiten und doch in Celle wohnen.

Nigge ist zwar in Celle aufgewachsen, doch nun muss er in Hamburg, wo er zuletzt an leitender Stelle in der Senatsverwaltung tätig war, seine Zelte abbrechen. Dabei ist „Zelte“ etwas untertrieben. Celles designierter OB wohnt mit seiner Frau und drei Kindern im Elbvorort Rissen im Schatten eines Leuchtturms. Von der Waterkant in der Hansestadt muss er sich verabschieden: „Derzeit bin ich dabei, in Hamburg meine Tätigkeit zu beenden und letzte Arbeiten im Büro zu erledigen.“

Mit einem Bein sei er schon an der Aller angekommen, sagt Nigge: „Ich bin jetzt bereits drei bis vier Tage die Woche in Celle und nehme sehr viele Terminanfragen etwa für Hintergrundgespräche wahr.“ Dass diese Gespräche in der Tat manchmal sehr hintergründig sein könnten, erahnt, wer sieht, wie Nigge jetzt schon bei Terminen von Cellern umlagert wird, die ihn für ihre ganz speziellen Interessen begeistern möchten. Der neue OB ist ein gefragter Gesprächspartner.

Auch im Neuen Rathaus sei er des Öfteren gewesen, sagt Nigge: „Natürlich spreche ich auch bereits mit Kollegen der Verwaltung über Prozesse, Inhalte und Perspektiven und versuche mir hier ein erstes Bild zu machen. Ich freue mich sehr auf die vor uns liegenden Monate und Jahre.“ Nigge ist Teilzeit-Strohwitwer: „Persönlich habe ich bereits eine Übergangsbleibe für mich gefunden.“ Er sieht sich auf dem Celler Immobilienmarkt um: „Die Suche nach einem geeigneten Haus geht intensiv weiter. Der Nachzug der Familie ist bereits in Planung, richtet sich aber natürlich nach den Schulzwängen der Kinder und nach der beruflichen Selbstständigkeit meiner Frau.“ Beides müsse passen und setze Zeit voraus, sagt Nigge: „Natürlich wollen wir aber als Familie so schnell wie möglich wieder zusammen sein.“ Michael Ende