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Celle Stadt Vor der Celler OB-Stichwahl: Duell auf Augenhöhe
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vor der Celler OB-Stichwahl: Duell auf Augenhöhe
19:01 23.09.2016
Von Michael Ende
Celle Stadt

Mende scheint die Strapazen verhältnismäßig gut weggesteckt zu haben. Wie viele Termine er absolviert hat, weiß er nicht genau: „In den letzten drei Monaten waren es mehrere Hundert.“ Neben dem Wahlkampf stehe seine Arbeit im Vordergrund, betont er: „Ich bin Oberbürgermeister der Stadt – und diese Aufgabe konnte, wollte und durfte ich nicht an einem Tag vernachlässigen. Von daher war es sicherlich anstrengend, aber auch bereichernd durch viele zusätzliche schöne Kontakte mit Bürgern.“

Für Nigge sei der Wahlkampf mit rund 650 Terminen eine „Achterbahnfahrt der Gefühle“ gewesen, sagt er: „Unter anderem auch, weil es eine sehr emotionale Reise durch Orte und Gegebenheiten meiner Kindheit und Jugend war.“ Vor allem sei es aber eine Erfahrung gewesen, die Nigge als Seiteneinsteiger in die Politik nie zu machen geglaubt hätte: „Ich habe nicht erwartet, dass man mit zum Teil beleidigenden persönlichen Angriffen rechnen musste. Auch unerwartet war, dass gezielt falsche Behauptungen in Umlauf gesetzt wurden, um Menschen zu verunsichern. So zum Beispiel, dass ich in der Verwaltung Stellen abbauen und Bereiche outsourcen wolle. Das ist schlicht falsch: Haushaltskonsolidierung läuft über andere Stellschrauben. Von mir aus muss niemand um seinen Arbeitsplatz bangen.“

Der Stachel sitzt tief. Noch nie zuvor habe Nigge „derartige substanz- und niveaulose Angriffe“ erlebt: „Von vielen anonymen Anwürfen gegenüber den hiesigen Medien, die zum Teil ehrabschneidend waren, bis hin zu Eingriffen in meine Privatsphäre, die selbst vor meiner Familie in Hamburg nicht Halt gemacht haben, wurde alles aufgefahren, was einen drittklassigen Roman ausmacht. Die Beschädigung von Lebensläufen wurde bewusst in Kauf genommen, die Ängste von Familie und Kindern gezielt genutzt.“ Nigge danke denjenigen Medien, die ihrer Verantwortung gerecht geworden seien und sehr genau selektiert hätten, was einen Artikel wert sei und was einfach nur der Diffamierung diene: „In einem kommunalpolitischen Wahlkampf hätte ich derartige Verhaltensweisen nie für möglich gehalten.“

Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen reichte es für keinen der beiden für die absolute Mehrheit. Damals hatte Mende mit einem hauchdünnen Vorsprung von nur 179 Stimmen die Nase vorn. Nach dem 11. September schien ein wenig „die Luft raus“ zu sein. Mende empfindet das anders: „Ganz im Gegenteil, ich bin Langstreckenläufer und dementsprechend war ich auch auf den langen Lauf eingestellt. Noch in der Nacht haben wir in einem sehr engagierten Team eine sehr gelungene Wahlanalyse gefertigt und am Montag saßen wir dann sehr früh wieder zusammen und haben die weiteren Schritte ins Werk gesetzt. Schon zwei Tage später waren die neuen Plakate geklebt und weitere Aktionen angelaufen.“

„Vier parallele Wahlen mit sehr früher Plakatierung einzelner Parteien haben sicherlich alle etwas müde gemacht“, meint Nigge: „Irgendwann kann man die vielen Plakate nicht mehr sehen. Nach dieser langen Zeit wollen die Menschen endlich eine Entscheidung.“

Deswegen sei es wichtig, dass sich möglichst viele Celler an der Stichwahl beteiligten, sagt Nigge: „Es geht um die nächsten zehn Jahre und darum, wer unsere Heimat besser in die Zukunft führen kann, wer die anstehenden Probleme mit Energie anpacken und auf Grund seines Sachverstandes und seiner Kompetenzen zu einer Lösung führen kann.“ Mende sagt: „Jede Wahl ist wichtig – für Celle ist es am Sonntag ganz besonders wichtig, denn mit der OB-Wahl wird entschieden, ob der vor sieben Jahren eingeschlagene Weg zu mehr Miteinander, zu größerem Respekt vor den Mitbürgern, zu mehr Zugewandtheit und Bürgerfreundlichkeit weiter beschritten werden soll oder ob es ein Zurück geben soll, in die alten abgewählten Beziehungsgeflechte der CDU. Daneben sind viele Dinge von mir begonnen worden, die ich noch beenden möchte.“

Auf die Frage, was Mende an seinem Mitbewerber schätzt, muss er kurz überlegen: „Ich kenne ihn zu wenig, um mir ein fundiertes Urteil zu erlauben. Ich habe aber den Eindruck, er ist auch ein Familienmensch. Er scheint mit seinen Kindern viel Spaß und Freude zu haben, das respektiere ich sehr.“ Die Antwort darauf, was Nigge an Mende am meisten mag, ist kurz: „Sein Käsekuchenrezept.“

„Wir dürfen die Stadt nicht schlecht reden,“ sagt Mende. „Es gibt vieles, was wir besser machen können“, hält Nigge dagegen: „Von mir werden Sie nie Ausreden hören, ich stelle mich den Dingen.“ Am Sonntag stellen beide sich zur Wahl. Dabei geben sich beide zuversichtlich. Mende: „Gerade in den letzten Tagen habe ich sehr viele positive Reaktionen aus der Bevölkerung bekommen. Von daher bin ich sehr zuversichtlich gestimmt und schaue dem Wahlausgang gespannt und zuversichtlich entgegen.“ Nigge: „Mein Eindruck ist, dass die Menschen sich Frische, Mut und Entscheidungsfreude für die nächsten zehn Jahre wünschen. Daher schätze ich meine Chancen sehr gut ein.“

Was Mende im Falle einer Niederlage täte? „Darüber mache ich mir derzeit keine Gedanken. Ich bin auf jeden Fall noch bis zum 23. Februar 2017 als Oberbürgermeister im Amt und werde meine Aufgabe bis dahin natürlich genauso intensiv wahrnehmen wie bisher.“ Nigge würde im Falle einer Niederlage ins Finanzministerium der Freien und Hansestadt Hamburg zurückzukehren. Doch am Montag, am Tag, in dem Mende ganz normal ins Büro gehen will, möchte Nigge eines tun: „In den Baumarkt fahren und Umzugskartons für den Umzug nach Celle kaufen.“