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Celle Stadt Vortrag zu Luther in Celle: Spannende Zeitreise ins 16. Jahrhundert
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Vortrag zu Luther in Celle: Spannende Zeitreise ins 16. Jahrhundert
11:14 30.01.2017
Rund 200 Zuhörer folgten den Worten Professor Arnd Reitemeiers, der im Oberlandesgericht Celle über die Verbreitung Luthers Thesen referierte. Quelle: Wieland Schäfer
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Nahezu im gesamten heutigen Niedersachsen nahmen die Menschen bis zum Ende des 16. Jahrhunderts den lutherischen Glauben an – eine politische und religiöse Transformation ohne Vorbild. Wie wurde der neue lutherische Glaube eingeführt und durchgesetzt? Welche Chancen bot der Umbruch für weltliche Machthaber? Ganz einfach war es nicht. Eine fast drei Generationen dauernde Einführungs- und Gewöhnungsphase wurde dazu benötigt. Und, so ein Fazit Reitemeiers, Reformation war teuer, die Zeche zahlte wieder einmal der kleine Bürger. Dies hat sich also bis heute nicht geändert.

In Phasen aufgeteilt, so wurden die verschiedenen Entwicklungen übersichtlicher. Und immer wieder wurde ein Bezug zu Celle herausgearbeitet. Der Thesenanschlag zu Wittenberg entfaltete allenfalls mittelbar in unserem Raum seine Wirkung. Aber Luthers Lehre hatte sich durchaus verbreitet, vergleichbar mit anderen Räumen im Reich, auch wenn Luther niemals hier im Norddeutschen war. Die Einführung des Lutherischen Glaubens war eben keine, seit langem erwartete, Befreiung, vielmehr war deren Aufkommen ein Element umfassender politischen Auseinandersetzungen und diese ebneten dann den Weg zu einem noch viel größeren Konflikt, dem 30jährigen Krieg.

Luthers Thesen fanden in Norddeutschland in den ersten 10 Jahren nach deren Veröffentlichung 1517 kaum Gehör, mehr beachtet wurden in dieser Zeit seine Schriften. Gelesen von den Gelehrten der Städte, Luther schrieb also für einen sich in dieser Zeit explosionsartig vergrößernden Markt. In Norddeutschland aber eher etwas „schaumgebremst“ in anderen Reichsregionen war die Entwicklung schneller. Die Schriften Luthers zirkulierten in diesem Zeitraum hauptsächlich in den Klöstern. Dann kamen Wanderprediger dazu. Wenige, aber mit „enormer Wirkmächtigkeit“. Die Kirchen blieben diesen Predigern aber häufig verschlossen, sie mussten außerhalb deren Mauern predigen.

„Hier in Celle gewannen diese Auseinandersetzungen, einzelne Predigen halt, an Brisanz. Als auf Empfehlung Luthers der gut 20jährige Gottschalk Kruse an den Celler Hof kam, ein ehemaliger Mönch aus dem Benediktiner Kloster St. Aegidien, in Braunschweig. Diesen hatten seit langem Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Lebens als Mönch geplagt, er hat in den Schriften Luthers Trost gefunden. Weil er Trost gefunden hatte, war es ihm erlaubt worden, in Wittenberg zu studieren“. Zu den Auseinandersetzungen mit den Schriften trat nun eine Öffentlichkeit, in Form von Disputationen. Einer trägt eine These vor und dann wird versucht zu widersprechen, zu widerlegen. Man versucht Argumente auszutauschen. So auch 1527 in Celle und Kruse war daran maßgeblich beteiligt.

Wie so oft es geht um Macht – und natürlich Geld. Mit der Einführung einer neuen Lehre erhielt der Fürst Zugriff auf alle Untertanen. Und er konnte jetzt viel leichter Abgaben und Steuern einziehen. Spannend und detailliert vermittelt Reitemeier Daten, Fakten und Hintergründe. Die Verknüpfungen von weltlicher Macht und dem Glauben. Das macht neugierig auf die nächste Veranstaltung in der Vortragsreihe des Oberlandesgerichtes. Am 23. März, in Zusammenarbeit mit dem Kirchenkreis Celle, in der Stadtkirche. Thema: „Die Zukunft der Gerechtigkeit.“

Von Wieland Schäfer