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Celle Stadt Wärme aus den eigenen vier Wänden
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wärme aus den eigenen vier Wänden
11:33 05.02.2010
Celle Stadt

Ohne Strom ist der Mensch aufgeschmissen. Darum müssen Kraftwerke das ganze Jahr über produzieren. Die dabei entstehende Wärme wird im Herbst und Winter als Fernwärme weiterverkauft, in der übrigen Zeit verpufft sie ungenutzt. Dieser unterschiedliche Bedarf an Strom und Wärme hemmt den Ausbau der dezentralen Energieversorgung, von der sich Experten langfristig sinkende Preise für Strom und Heizung erhoffen. Dezentral, das heißt Energieproduktion auf Städte- und Gemeinde­ebene, viele kleine Kraftwerke statt – wie bislang – wenige große. Noch einen Schritt weiter gehen sogenannte Blockheizkraftwerke: Sie verlagern die Herstellung in den privaten Keller oder in den eigenen Gewerbebetrieb.

Die saisonal unterschiedliche Auslastung der Anlagen zögert die Amortisation hinaus, sagt Karin Merkel von der Verbraucherzentrale Hannover. „Blockheizkraftwerke lohnen in der Regel nur, wenn viele Betriebsstunden zusammenkommen.” Strom und Wärme sollten nach Möglichkeit immer irgendwo gebraucht werden.

„Mindestens 5000 Betriebsstunden sollten es schon sein“, sagt Edgar Schulz von Schulz Haustechnik in Hambühren. „Gerade bei Privathäusern ist das ein Knackpunkt.“ Kommt diese Summe nicht zusammen, rät Schulz seinen Kunden von einer Anschaffung ab. „Am besten ist, es gibt einen kontinuierlichen Wärmebedarf.“ Seit rund zehn Jahren schon installiert die Firma Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). So heißt das Prinzip der Kombikraftwerke in der Fachsprache. Die Bundesregierung hat extra ein Gesetz verabschiedet mit festen KWK-Fördersätzen, damit sich die Technik verbreitet. Ökonomen sehen in den Kleinkraftwerken einen Weg, mittelständische Erzeuger auf dem Energiemarkt zu etablieren.

Etwa 15000 Euro müssen für Anlagen im Ein- oder Zweifamilienhaus investiert werden; mittlere Anlagen für Gewerbebetriebe können 40000 Euro und mehr kosten. Wer soviel anlegt, kann sich im Gegenzug damit trösten, dass die Rechnungen für Strom oder Heizung niedriger als früher ausfallen.

„Ich freue mich immer, wenn abends zum Feierabend mein Stromzähler anfängt, rückwärts zu laufen“, sagt Jörg Eggers von Volvo Erdmannsky in Celle. 2006 schaffte Eggers ein Blockheizkraftwerk für das Autohaus an. Wird vor Ort kein Strom gebraucht, speist das Kraftwerk den Strom ins allgemeine Netz ein. Der Stromzähler läuft dann rückwärts. Die Versorgungsunternehmen müssen die Energie abnehmen. Obendrein gibt es einen Zuschuss von fünf Cent pro Kilowattstunde vom Zollamt.

Obwohl Eggers im Sommer die Anlage zeitweise außer Betrieb nimmt, weil keine Wärme gebraucht wird, ist er mit der Anschaffung zufrieden: „Etwa 1000 bis 1500 Euro sparen wir jetzt pro Jahr.“ Blockheizkraftwerke sind im Prinzip gasbetriebene Generatoren zur Stromherstellung, die nebenbei auch Wärme produzieren. Etwa 7000 bis 8000 Euro koste das Gas im Jahr, das die Anlage für den Betrieb braucht, so Eggers. „Früher war allein die Ölheizung schon teurer, die Stromkosten kamen noch obendrauf.“

Jüngst wurde ein Altenheim in Wietze mit einer Anlage ausgerüstet, sagt Schulz. Großküchen, Krankenhäuser und Altenheime bringen beste Voraussetzungen mit, dass sich die Investitionen schnell rechnen; das ganze Jahr hindurch wird dort die Wärme zum Kochen und Backen sowie für die Warmwasserbereitung eingesetzt.

Von Holger Dirks