Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Waigel: Wiedereinführung der D-Mark wäre verheerend für alle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Waigel: Wiedereinführung der D-Mark wäre verheerend für alle
21:06 25.04.2013
Celle Stadt

Auch wenn viele Deutsche etwas anderes behaupten: Nach Ansicht des früheren Bundesfinanzministers Theodor Waigel ist der Euro ein „Segen“ und kein „Fluch“ für Deutschland. Zu diesem Thema hielt er gestern auf Einladung der Sparkasse Celle vor etwa 600 Zuhörern einen Vortrag in der Congress Union. Zuvor verteidigte er auch bei einer Pressekonferenz die Einführung des Euro im Jahre 2002, an deren Vorbereitung er als Bundesfinanzminister von 1989 bis 1998 entscheidend mitgewirkt hatte.

So war es nicht überraschend, dass der CSU-Politiker trotz der aktuellen Schuldenkrise eine durchweg positive Bilanz der Euro-Einführung zog - gerade für Deutschland: „Die Inflationsrate lag in den vergangenen zwölf Jahren unter zwei Prozent, die Zinsen sind niedrig und Deutschland ist nach China die zweitstärkste Exportmacht. Der Euro ist eine harte Währung. Wir Deutschen haben mehr Wachstum als alle Länder um uns herum.“ Kurzum: „Ohne den Euro stünden wir dramatisch schlechter da.“ Klar, dass Waigel wenig von einer möglichen Wiedereinführung der D-Mark hält: „Das wäre verheerend für alle. Die D-Mark würde um 20 bis 35 Prozent aufwerten – mit negativen Auswirkungen auf Exporte und Wachstum.“

Auch für Griechenland sieht Waigel durchaus Chancen, im Euro-Raum zu bleiben, wenn das Land weiterhin einen „harten Anpassungskurs“ fahre: „Die Hälfte des Weges haben die Griechen schon hinter sich.“ Doch gelte auch: „Wer aus dem Euro heraus will, den würde niemand halten.“ Für alle Euro-Länder – einschließlich Deutschland – müsse gelten: „Man kann auf Dauer nicht mehr Geld ausgeben, als man einnimmt.“ Oder anders ausgedrückt: „Man kann Schulden nicht durch noch mehr Schulden abbauen.“ Wachstum müsse durch Strukturreformen erzielt werden – wie es in Deutschland durch die Agenda 2010 bereits erreicht worden sei. Waigel erwartet, dass die Inflationsrate in Deutschland auch in den kommenden fünf Jahren nicht mehr als zwei Prozent beträgt – trotz der Unmengen an Geld, das die Europäische Zentralbank insbesondere den Banken zur Verfügung gestellt hat.

Der CSU-Politiker hält es durchaus für angemessen, dass sich an der Sanierung der zypriotischen Banken neben den Eigentümern auch diejenigen beteiligen, die dort ihr Geld angelegt und jahrelang hohe Zinsen kassiert haben. Dies habe aber keine Auswirkungen auf Deutschland: „Der Kleinsparer aus Celle geht nicht nach Zypern und legt sein Geld dort an.“ Zypriotische Verhältnisse hierzulande befürchtet er nicht.

Von Michael Regehly