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Celle Stadt Walküre mit Zunder im Zwirn begeistert Celler Publikum
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Walküre mit Zunder im Zwirn begeistert Celler Publikum
19:37 22.02.2015
„Schwarze Witwe der Volksbelustigung“: An Peinlichkeiten kennt La Signora keine Grenzen. Quelle: Alex Sorokin
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Diese Frau ist eine Wucht. Eine garstige Krähe, aber so charmant, dass sie wie eine pikant gepfefferte Grazie über die Bühne fegt. Oder feudelt, denn La Signora kommt wie eine sizilianische Raumpflegekraft daher, eine putzteufelswilde Gewitterhexe, ein Mix aus edler Contessa und chilischarfer Assistentin im Fegefeuer. Bereits einmal brachte sie die Celler aus der Fassung mit ihrer bösen Direktheit und dem stechenden Blick. So war es auch dieses Mal wieder in Kunst & Bühne in ihrem Programm „Träume & Tabletten“.

Geboren 1973 in Oberhausen als Tochter emigrierter Italiener erhielt Carmela de Feo mit acht Jahren Akkordeonunterricht. Später studierte sie an der Folkwang Musikhochschule. Es folgten Meisterkurs und Tangomeisterkurs. La Signora ist also bestens ausgestattet für die Bühne. Ihre Stimme ist grandios, ihr dramatisches Talent ein Genuss. Und sie fällt auf. Nicht nur optisch als strenge Gouvernante, die ihre wilden Triebe unter engen Nadelstreifen und einem schwarzen Haarnetz kaschiert, sondern als „Schwarze Witwe der Volksbelustigung“ mit „Kakerlakencharakter“. Ihr Problem ist das Popstar-Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (PADS), ihr Markenzeichen ihr rauch-freches, schrilles Lachen, isoliert, wie irre, oder als Salve geschossen ins Publikum. Da spaziert das kleine Persönchen mit der egomanischen Größe am liebsten hautnah hin.

In Celle stieg La Signora von der Bühne und griff die Gäste verbal direkt an. An Peinlichkeiten kennt sie keine Grenzen, outet sich als spinnwebenvertrocknetes Single-Weib und hämmert hemmungslos auf den Intimsphären der Zuhörer wie Karin und Peter aus Lachendorf herum. Das Schöne: Alle kommen mal dran. Dafür werden sie entschädigt mit einem solch unkonventionellen Bühnen-Wahnsinn, dass die Blessuren heilen. Absolute Highlights sind La Signoras Musikeinlagen. Die kleine Walküre mit dem Herrscherblick rockt die Bühnenbretter derart schräg, dass sich Männern wie Frauen fast „die Netzhaut ablöst“.

Ob Pinks „Rock Star“ oder Whams „Wake Me Up Before You Go-Go“, mit eingedeutschten Texten und „Tanz-Tourette-Syndrom“ legt sie Figuren aufs Parkett, von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt. Den Männern fällt der Unterkiefer herab im „Soft-Porno-Kabarett“ und die Damen lernen dazu. La Signora, die Ruhr-Gebieterin mit Zunder im Zwirn wird am Ende gar zur korrigierenden Weltenschöpferin. Im Witwenlabor erschafft sie Ersatz für den missglückten Mann. Und der ist glücklich, hat er doch alles, was er will: „‚ne Frau, ‚n Halsband und ‚nen Grill.“ Wer dennoch nicht zufrieden ist mit seinem Exemplar: Männerwichteln hilft. Als Dank für die Tipps gab es stürmischen Applaus.

Von Aneka Schult