Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Wanderausstellung „Bikernieki – Wald der Toten“ in Celler Synagoge eröffnet
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wanderausstellung „Bikernieki – Wald der Toten“ in Celler Synagoge eröffnet
16:04 08.09.2017
In der Synagoge Celle wurde die Ausstellung „Bikernieki – Wald der Toten“ eröffnet. Quelle: David Borghoff
Celle

Die Rede ist von den zu Zehntausenden namenlos verscharrten Menschen im Wald von Rumbula im lettischen Riga. Das dortige Ghetto wurde 1941 geräumt, die Bewohner im Wald erschossen, um Platz zu schaffen für Juden aus dem deutschen Reichsgebiet. „Der Holocaust begann mit den Massenerschießungen im Wald von Bikernieki“, formuliert es der frühere Bundestagsabgeordnete Winfried Nachtwei in der Broschüre zur Ausstellung. 25.000 jüdische Menschen wurden von November 1941 bis Dezember 1942 aus zahlreichen deutschen Städten nach Riga deportiert, diejenigen, die den Transport bei Eiseskälte überstanden, zur Zwangsarbeit verpflichtet.
„Es verschlägt einem den Atem, was da passiert ist, nicht mehr als drei bis vier Prozent überlebten“, sagte Generalmajor a.D. Adalbert Baron von der Recke in seinem eindrucksvollen Einführungsvortrag vor rund 50 Interessierten. Er vertrat den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der die Schau auf den Weg gebracht hat, weil er sich für die Einrichtung einer Gedenkstätte am Ort des Geschehens – Bikernieki - eingesetzt hat.
„In ihrer Gestaltung reißt sie einem das Herz auf“, beschrieb von der Recke die aus einem Meer von Steinen – für jedes Opfer einen – bestehende Erinnerungsstätte. Kein Zeichen des Gedenkens in den Straßen des ehemaligen Ghettos fand sich nach Öffnung des Eisernen Vorhangs 1989, die Massengräber in einem verwahrlosten und vergessenen Zustand. Der Fluch, nicht gedacht soll ihrer werden, wurde erst mit der Einweihung der Gedenkstätte im Jahr 2001 durchbrochen. „Die Steine wirken wie ein Schrei der schuldlos Getöteten – ein Schrei, der aus dem Boden kommt“, ist auf einer der Tafeln zu lesen. Sechs der „rufenden Steine“ stehen für Celler Bürger. Ihre Namen verlas die Vorsitzende der Christlich-Jüdischen Gesellschaft, Sabine Maehnert, zu Beginn.

Von Anke Schlicht