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Celle Stadt War Celler Künstler Erich Klahn (1901-1978) ein Nazi?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt War Celler Künstler Erich Klahn (1901-1978) ein Nazi?
16:13 22.05.2014
Von Andreas Babel
Der Bergpredigeraltar von Erich Klahn steht an prominenter Stelle in der Taufkapelle der Celler Stadtkirche, direkt neben dem Chorraum. Das Triptychon (dreiteiliger Altaraufsatz) ist 1954 entstanden. Quelle: Benjamin Westhoff
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In einem Gutachten bescheinigt ein Kunsthistoriker, dass der vielseitige Maler und Gestalter dem NS-Gedankengut sehr nahe gestanden haben soll. Die Klahn-Angehörigen gehen anwaltlich gegen die Schließung des Museums und die Beendigung der Trägerschaft der Klahn-Stiftung durch die Klosterkammer vor. Sie kämpfen um den guten Ruf von Erich Klahn. Erich Klahn ist in Fachkreisen eine Ikone. Die Klosterkammer Hannover meint jetzt aber, dass sich der Celler Künstler, der von 1901 bis 1978 gelebt hat, derart mit dem NS-Schreckenssystem eingelassen hat, dass sie nichts mehr mit ihm zu tun haben will. Der Allgemeine Hannoversche Klosterfonds (AHK), gesetzlich vertreten durch die Klosterkammer, hat die Trägerschaft für die Klahn-Stiftung beendet – und das mit sofortiger Wirkung. Außerdem wird das Erich-Klahn-Museum im Kloster Mariensee geschlossen, teilte die Klosterkammer am Nachmittag des 20. Mai in einer Pressemitteilung mit. Zudem wird ein von der Klahn-Stiftung gewährtes Stipendium nicht über das Jahresende hinaus fortgeführt.Als Grund der Auflösung des Treuhandvertrags nennt die Klosterkammer die „hervorgehobene Position“ des Künstlers „im völkischen Spektrum der 1920er und 1930er Jahre sowie das fragwürdige Verhalten des Künstlers in den Jahren 1933 bis 1945“. Der Kunsthistoriker Henning Repetzky hat ein Gutachten zu Klahn verfasst. Er hatte schon im Jahr 2001 eine Monografie über den vielseitigen Künstler geschrieben. „Ziel war es, Aufschluss über die mutmaßliche völkisch-rassistische Orientierung des Künstlers und dessen Verbindung zu nationalsozialistischen Organisationen zu erhalten“, sagte Andreas Hesse, Kammerdirektor der Klosterkammer.Laut Gutachten soll Klahn bereits 1921 der NSDAP beigetreten sein und die bis 1945 überlieferten Briefe ergäben „dessen uneingeschränkte Bejahung des NS-Regimes“. Weitere Details zu den wissenschaftlichen Ergebnissen dieser Forschung verriet Hesse indes nicht. In seinem Entnazifizierungsbogen soll Klahn 1949 angegeben haben, der NSDAP nie angehört zu haben.Professor Detlef Schmiechen-Ackermann, der an der Leibniz Universität Hannover über Geschichte des Nationalsozialismus lehrt, habe die Erkenntnisse des Gutachtens bestätigt. Der Geschichtsgelehrte war am 20. Mai für die CZ nicht zu erreichen. Der Kunsthistoriker Repetzky wollte sich nicht zu seinem Gutachten äußern.Weil sich diese beiden Experten in ihrem Urteil einig sind, sei es für die AHK „ausgeschlossen“ gewesen, weiterhin öffentliche Gelder für die Klahn-Stiftung zur Verfügung zu stellen, so Hesse. Die rund 450 Werke des Künstlers, die sich in der Klahn-Stiftung befinden, sollen an die Stifter zurückgegeben werden.Die Angehörigen und Nachkommen von Erich Klahn haben sich im renommierten Kunstrecht-Anwalt Professor Peter Raue (Berlin) anwaltlichen Beistand geholt. „Wir haben uns verschworen und entschieden, unseren Anwalt für uns sprechen zu lassen“, sagte George Albrecht, Bruder des früheren Ministerpräsidenten Ernst Albrecht und Ehemann der Klahn-Tochter Liese Albrecht. Das Ehepaar lebt mit der Klahn-Witwe Barbara Bosse-Klahn (93) in Weimar. Diese wiederum ist die Tochter des Gründers der Celler Stadtkantorei, Professor Fritz Schmidt (1886 bis 1977).Klahn war zwar mit Barbara Bosse-Klahn verheiratet, lebte aber mit der Celler Kinderärztin Gertrud Lamprecht unter einem Dach. „Als wir die Urne meiner Tante im Juli 1978 auf dem Stadtfriedhof niederließen, standen Klahn und ich am Grab. Er hat es dann durchgesetzt, dass auch seine Urne nach seinem Tod im Oktober 1978 neben meiner Tante in die Erde kam“, berichtet Gerd Lamprecht.Als Barbara Bosse-Klahn Äbtissin des Klosters Mariensee wurde, habe sie dort in den unteren Räumen ein Museum eingerichtet, in dem Wechselausstellungen ihres verstorbenen Mannes gezeigt wurden. Aus den 1920er Jahren stammen Briefe, in denen er sein „völkisches Gedankengut“ formulierte, wie es Peter Raue ausdrückt. Er bestreitet aber, dass Klahn bereits 1921 in die NSDAP eingetreten ist. Dass man aus späteren Briefen Klahn NS-Gesinnung ablesen könne, sei „gelogen“, meinte der Anwalt: „Es gibt keinen einzigen Brief.“ Er kenne keinen einzigen antisemitischen Satz von Erich Klahn, wohl aber Aussprüche von Martin Luther gegen Juden, sagte der Rechtsgelehrte. Zudem habe man das Klahn-Museum zunächst unter dem Hinweis auf „Hausschwamm“ und auf weitere Nachfrage wegen eines angeblichen Wasserschadens geschlossen.„Man konnte heraushören, dass er in der Nazi-Zeit der nationalsozialistischen Denkweise zugeneigt war“, erinnert sich ein Celler, der Klahn in seinen letzten zehn Lebensjahren kennengelernt hat.