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Celle Stadt "Warum nicht gleich Tempo 30?"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Warum nicht gleich Tempo 30?"
19:45 18.09.2013
Von Michael Ende
Celle Stadt

Die meisten Celler Politiker hätten sich kaum träumen lassen, einmal ernsthaft darüber diskutieren zu müssen, ob man auf der neu gebauten Schnellstraße der B3-Ostumgehung nicht Tempo 50 einführen sollte – doch seitdem die Rats-WG dies per Antrag fordert, muss man darüber reden.

„Jetzt eine Geschwindigkeitsbegrenzung einzuführen halten wir für falsch, weil der Sinn einer solche Umfahrung dadurch konterkariert würde“, sagt Unabhängigen-Fraktionsvorsitzender Udo Hörstmann, der darauf verweist, dass seine Fraktion bereits 2011 beantragt habe, den zweiten Teil der Ostumgehung mit „Flüsterasphalt“ auszustatten.

„Wenn die Lärmbelästigung das erträgliche Maß überschreitet, muss nach Ansicht der Grünen gehandelt werden“ meint deren Fraktionschef Bernd Zobel: „Die Handlungsmöglichkeiten umfassen Lärmschutzwand oder -wall sowie eine Temporeduzierung.“ Linken-Fraktionsspitze Oliver Müller denkt ähnlich: „Es war uns immer klar, dass die Ostumgehung in vielen Teilen nur Lärmverlagerungen bringt. Ich kann die Bürger gut verstehen. Deshalb soll die Verwaltung ruhig mal prüfen, ob Tempobegrenzungen hilfreich sind.“

„Die FDP ist sehr dafür, dass Lärm auch wirklich vermieden wird. Deshalb muss die entstandene Immission zunächst objektiv festgestellt werden, um dann Entscheidungen zu treffen. Wir sehen hier das Land Niedersachsen als Bauträger in der Pflicht, nicht die Stadt Celle“, so FDP-Fraktionsvorsitzender Joachim Falkenhagen.

CDU-Fraktionschef Heiko Gevers distanziert sich vom – wie er sagt - „typischen WG-Populismus“: „Nach den Berechnungen zum Lärmschutz für diesen Umgehungs-Abschnitt sind unter Beachtung der Immissionsgrenzwerte lediglich für einige Gebäude in der Windthorststraße und an der Braunschweiger Heerstraße Überschreitungen der Grenzwerte festzustellen. Für diese Gebäude sind auch passive Lärmschutzmaßnahmen vorzusehen.“ Es sei sicherlich nicht abzustreiten, dass die neue Straße die bisherige ruhige Wohnlage beeinträchtigt: „Zunächst sollte man aber nachprüfen, ob die Berechnungen und die tatsächlichen Werte übereinstimmen und dann überlegen, welche Maßnahmen zu treffen sind.“

Der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Adasch meint, dass der WG-Vorstoß aus verkehrspolitischer Sicht völlig falsche Signale aussende: "Warum nicht gleich Tempo 30?"

“Straßenlärm ausgesetzt zu sein ist weder schön noch gesund. Dort, wo der Lärm die zulässigen Grenzwerte übersteigt, muss unbedingt etwas zum Schutz der Bürger getan werden”, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Jürgen Rentsch. Er gehe davon aus, dass genau das, was die WG in ihrem Antrag fordere, bereits im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens stattgefunden habe: “Die Ostumgehung ist für 100 Stundenkilometer ausgelegt, und dafür hat man das Thema Lärmschutz abgeprüft. Meines Wissens erhält ein Teil der jetzigen Beschwerdeführer deshalb Lärmschutzfenster. Alles was darüber hinaus gefordert wird, gehört dann möglicherweise in den Bereich der freiwilligen Leistung, wenn es technisch überhaupt machbar ist.”

Rentsch wohnt selbst im Altenceller Feld: “Durch den zweiten Bauabschnitt hat sich weder meine Wohn- noch meine Lebenssituation entscheidend verändert. Es lässt sich weiterhin sehr gut im Altenceller Feld leben - von massiven Beeinträchtigungen kann keine Rede sein”, sagt er. Michael Ende