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Celle Stadt Was geschah in der Brandnacht?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Was geschah in der Brandnacht?
18:16 17.09.2013
Celle Stadt

Wie sich genau die Brandstiftung in der Nacht zum 13. Dezember 2011 in Langlingen abgespielt hat, die ein Wohn- und Geschäftshaus im Ortskern in Schutt und Asche zurückließ, darüber herrscht auch nach dem ersten Verhandlungstag am Schöffengericht am Amtsgericht Celle Unklarheit. Klar ist nur, dass es Brandstiftung war, denn das Feuer brach an drei Stellen im Obergeschoss aus, wie Ermittlungen der Polizei ergaben.

Angeklagt sind die Besitzer des Hauses, Marina und Christos Basntanis - nicht nur wegen Brandstiftung, sondern auch wegen Versicherungsbetrug. Sie sollen nach dem Brand gegenüber den Versicherungen falsche Angaben gemacht haben. Um den Betrug ging es in der gestrigen Verhandlung aber noch nicht.

"Es hat gebrannt wie Sau", sagte ein Zeuge, der in der Nacht als Feuerwehrmann den ersten Löschangriff im Obergeschoss vornehmen wollte, doch über die Treppe nicht hinauskam. Seit zehn Jahren sei er bei der Feuerwehr, aber so etwas Heftiges habe er noch nicht gesehen. Die Feuerwehr hatte sich wieder zurückziehen und den Brand von außen bekämpfen müssen, bevor Feuerwehrleute unter Atemschutz dem Brand im Obergeschoss Herr wurden.

Auf Nachfrage von Rechtsanwalt Kurt-Peter Bulang, Pflichtverteidiger von Christos Basntanis, skizzierten die beiden Zeugen von der Feuerwehr die Situation am Haupteingang des Hauses. Die Tür war unverschlossen, als die Feuerwehr in der Nacht ihren Löscheinsatz begann. Zwei Anwohner hatten damals Rauch gesehen und die Feuerwehr über Notruf alarmiert.

Christos Basntanis war am Abend gegen 18.30 Uhr zusammen mit einer Kollegin von deren Mann nach Müden (Aller) zur Weihnachtsfeier der Firma gefahren worden. Als der Mann gegen 1 Uhr Langlingen verließ, um seine Frau und ihren Kollegen wieder abzuholen, brannte es schon, er musste einen Umweg fahren. Erst bei der Rückkehr gegen 1.30 Uhr entdeckten sie dann, dass es das Haus der Familie Basntanis war, das in Flammen stand.

Marina Basntanis war mit zwei der drei Kinder zu ihrer Mutter nach Salzgitter gefahren. Hier wurde sie in der Nacht von einer Bekannten aus Langlingen angerufen und informiert, dass ihr Haus brenne. Sie kehrte ebenfalls umgehend nach Langlingen zurück.

Als Feuerwehr und Polizei in der Nacht das brennende Haus betraten, fanden auf Wänden und Mobiliar schwarze Farbschmiereien, einen Penis und Zahlen sowie Buchstaben, darunter auch die Kombination C18. Die stehe für eine europaweit agierende gewaltbereite Neonazi-Organisation, erläuterte ein inzwischen pensionierter Polizeibeamter, der damals von den Kollegen zu Rate gezogen worden war. N 1933-45 könne zwar für die Zeit des Nationalsozialismus stehen, sei aber völlig unüblich. Dem Landeskriminalamt sei diese Kombination noch nie untergekommen, sagte der ehemalige Beamte.

Dass Familie Basntanis vor dem Brand Zielscheibe fremdenfeindlicher Äußerungen gewesen, davon hatten mehrere Zeugen gehört. Eine ehemalige Langlingerin, die heute nicht mehr lebt, habe das als Besucherin der Gaststätte miterlebt, berichtete der Vorbesitzer des Hauses. Er hatte das Haus 2005 per Mietkauf an Marina Basntanis verkauft und die Raten mehrfach reduziert, nachdem das Einkommen der Familie gesunken war. Wenige Monate vor dem Brand hatte das Ehepaar das Haus zum Kauf angeboten. Wäre es verkauft worden, hätten ihm zwei Drittel der Summe zugestanden.

Viel Zeit nahm die Zeugenaussage eines Polizeibeamten in Anspruch, der anhand von Fotos seine Ermittlungen am Brandort erläuterte. Er soll beim zweiten Verhandlungstag am 25. September erneut gehört worden. Die Verteidigung hat eine Menge Fragen angekündigt.

Von Joachim Gries