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Celle Stadt Wohnungslose hoffen auf bessere Zeiten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wohnungslose hoffen auf bessere Zeiten
20:48 26.12.2018
Von Dagny Siebke
Die Weihnachtswunschbaumaktion im Neuen Rathaus gibt es bereits seit 2012. Dabei verschenken Mitarbeitende der Stadtverwaltung anonym, aber doch persönlich, Präsente an Kinder, die mit ihren Müttern im Haus der Familie leben sowie an Bewohner des Kalandhofs. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
Celle

Die Bewohner des Kalandhofs haben schon einige Schicksalsschläge hinter sich: Sie haben plötzlich die Arbeit oder einen geliebten Menschen verloren. Sind krank geworden, haben sich verschuldet oder einen großen Fehler gemacht. "Zu Weihnachten werden Erinnerungen wach. Daran, was man mal gehabt hat und was man sich wünscht", erzählt Ute Pankow. Sie ist Vorstand des Vereins "Herberge zur Heimat" und richtet mit einer Mitarbeiterin den Speisesaal des Kalandhofs weihnachtlich her. Sie möchte möglichst vielen Bewohnern einen schönen Heiligabend bereiten. Wie viele kommen, weiß sie nicht. "Viele reagieren zur Weihnachtszeit mit Rückzug." Viele Wohnungslose wollen lieber allein sein. Manche kommen kurzfristig bei Bekannten unter.

Die Tische werden mit LED-Kerzen und Tannengrün verziert. Die beiden Weihnachtsbäume werden noch mit Schokoladen-Anhängern aufgepeppt. Ein Ehepaar hat den Wohnungslosen die Süßigkeiten gespendet. Ute Pankow sagt: "Es gibt Menschen, die davon ausgehen, dass jeder Mensch in eine solche Situation kommen könnte."

"Mehr Freiheiten im Kalandhof als im Altersheim"

Die ersten Bewohner des Kalandhofs sind schon da und gucken aus der Entfernung, was sich tut. "Einer von ihnen ist Fritz Gebauer (Name geändert). Er sitzt im Raucherraum und liest Zeitung. "Ich bin aus dem Alter heraus, in dem man sich noch etwas wünscht", sagt der 74-Jährige. Doch eine bessere Gesundheit erhofft er sich schon. "2018 habe ich 19 Wochen im Krankenhaus verbracht. Das waren definitiv zehn Wochen zu viel", erzählt Gebauer. Da er Diabetiker ist, mussten ihm zwei Zehen amputiert werden. Er habe vor der Wahl gestanden, ob er im Altersheim oder im Kalandhof leben möchte. Er sagt: "Ich habe mich für den Kalandhof entschieden, weil ich hier mehr Freiheiten habe."

Am Buffet nebenan gibt es traditionell Kartoffelsalat und Würstchen. Inzwischen sitzen zehn Wohnungslose an den Tischen. Zur Bescherung erhält jeder ein persönliches Geschenk. Sie stammen von der Wunschbaumaktion der Celler Stadtverwaltung. Seit 2012 verschenken Mitarbeiter anonym, aber doch persönlich Präsente an Bewohner des Kalandhofes. "Viele Monate vor Weihnachten hören unsere Sozialarbeiter ganz genau zu, was die Menschen gebrauchen könnten", sagt Ute Pankow. Die Wünsche werden auf Karten am Weihnachtsbaum im Foyer des Neuen Rathauses gehängt, die Angestellten nehmen sich einen der Zettel und erfüllen den Wunsch.

Wunschbaumaktion der Stadtverwaltung kommt gut an

Ein Bewohner freut sich über eine Thermoskanne und Tassen dazu. "Das ist praktisch für unterwegs. Früher war ich oft auf Campingplätzen unterwegs", erzählt er. Der Nachbar gegenüber löst sofort den Geschenk-Gutschein für eine Handyaufladung ein. Ein Dritter legt gleich die neue Uhr an. Das neue Jahr wird er im Gefängnis verbringen.

Ein Sitznachbar hofft, dass im neuen Jahr bessere Zeiten anbrechen: "Man wünscht sich alles, was man nicht hat. Es soll wieder aufwärts gehen. Doch das ist ein Wunsch, den man sich nur selbst erfüllen kann."

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