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Celle Stadt Weihnachtsbotschaft unter freiem Himmel
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Weihnachtsbotschaft unter freiem Himmel
13:09 26.12.2016
Stimmungsvoll ging es beim Open-Air-Gottesdienst auf dem Landgestüt zu, zu dem an Heiligabend wieder etwa 2000 Celler gekommen waren. Quelle: Michael Schäfer
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Ein Teil der rund 2000 Teilnehmer fand Platz in der kurzerhand zum provisorischen Gotteshaus mit Bühne umfunktionierten Gestütsscheune, die übrigen harrten auf den Bänken draußen aus, konnten von der Ingo-Rosenthal-Band, Gestütsleiter Axel Brockmann und Michael Kurmeier mehr hören als sehen. Dieser nutzte das sehr deutlich zu vernehmende Glockengeläut der Neuenhäuser Kirche zur Aufforderung, sich gedanklich zu sammeln. Ein angesichts der folgenden inhalts- und ideenreichen anderthalb Stunden wertvoller Hinweis.

Wie ein Grundthema durchzog die weltpolitische Lage den Gottesdienst – Aleppo und Berlin verwendete Kurmeier als Synonyme für Leid und Terror auch in anderen Teilen der Welt. Formulierungen wie „Achselzucken der Mächtigen“, „Kernschmelze der Menschlichkeit“ und „Bewege die Herzen der Mächtigen, Frieden zu finden“ waren neben dem Kernsatz „Halte deine Sehnsucht fest und lerne, sie zu leben“ als Teile von Predigt und Fürbitte zu vernehmen. Der Weihnachtsgedichte verlesende Großvater mit dem Enkel auf dem Schoß versprach für einen Augenblick die von allen ersehnte Harmonie, aber die Zeiten sind nicht danach. Geigenklänge in Moll und traurige, im nüchternen Nachrichtenjargon vorgetragene Schreckensbotschaften des zu Ende gehenden Jahres durchbrachen den Dialog des Opas mit dem Jungen und holten die Besucher in die Wirklichkeit zurück.

Musik und Wort bildeten während des gesamten Gottesdienstes nicht nur eine perfekte Einheit, sie wirkten inmitten der nüchternen Umgebung umso intensiver. Nichts lenkte ab von den Inhalten, die Dekoration war sparsam, erst spät wurden zwei Kerzen neben einem schlichten Gesteck vor der Bühne entzündet. Jesu Geburt im Stall wurde mit einem Gottesdienst im Stall gefeiert – passender hätte es nicht sein können.

„Wir haben ein fragiles Jahr hinter uns und möchten ein Zeichen setzen gegen Gewalt und Hass und für mehr Menschenliebe untereinander“, hatte Kurmeier zum Auftakt angekündigt. Dieses war ihm und seinen Mitstreitern auf der Bühne zweifellos gelungen. Mit der Aussicht, dass im kommenden Jahr wieder in der Reithalle gefeiert werden könne, dem obligatorischen „Oh du fröhliche“ und dem Satz „Wir müssen menschlich bleiben“ entließ Kurmeier – unterlegt von Glockengeläut – die Besucher in den Heiligabend.

Von Anke Schlicht