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Celle Stadt Weihnachtsrevue Ivushka in Celler Congress Union:Temperamentvoll inszenierte Show
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Weihnachtsrevue Ivushka in Celler Congress Union:Temperamentvoll inszenierte Show
17:49 16.12.2013
Die russische Weihnachtsrevue „Ivushka“ wurde ungemein farbenfreudig und mit immer wieder - wechselnden, traditionellen Kostümen in der Celler Congress Union gezeigt. Quelle: Alex Sorokin
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Einen nostalgisch-prachtvollen, geradezu märchenhaften Zauber aus einer Welt, die so weit entrückt scheint und doch zur Weihnachtszeit immer wieder so nah ist, verströmte die populäre russische Weihnachtsrevue „Ivushka“ am Sonntag vor rund 350 Zuschauern in der Congress Union. In ungemein farbenfreudigen, ständig wechselnden traditionellen Kostümen, die den Originaltrachten verschiedener russischer Provinzen der Zarenzeit nachempfunden waren, gestaltete das rund 40-köpfige Ensemble in einer atemberaubenden Choreographie immer wieder neue Bilder voller Lebensfreude, die mit stimmungsvoll-vitaler Live-Musik von ausschließlich traditionellen und mitreißend virtuos gespielten Instrumenten wie Balalaika, Domra, Bandoneon und Horntrompete untermalt und begleitet wurden.

Warum diese gigantische Show als „Weihnachtsrevue“ bezeichnet wurde, erschloss sich jedoch nicht. Zwei Kurzauftritte von „Väterchen Frost“ und seiner Enkelin Snegurotschka („Schneeflöckchen“), eine angedeutete Schneeballschlacht und ein im Finale mittanzender Schneemann erwiesen sich als einzige weihnachtliche Elemente in diesem Spektakel. Dazu der im Anschluss an eine artistische Sprungsseil-Nummer unvermittelt und zusammenhanglos in den Ablauf eingebundene Weihnachts-Klassiker „Stille Nacht“, der – vom Chor ungemein sinnlich und gefühlvoll in deutscher Sprache vorgetragen – in dieser Szenerie wie eine andächtige Kirchenkantate auf einem Volksfest wirkte.

Denn die rundum begeisternde Show entpuppte sich als ein zeitlos folkloristisches Feuerwerk, das – mit einer bunten Blumenwiese statt mit dem verschneiten Bergdorf als Bühnenbild – auch als Frühlingsrevue hätte präsentiert werden können. Es war eine gigantische, geradezu fesselnde Show, bei der sich Höhepunkt an Höhepunkt reihte und jede Szene so enthusiastisch rüberkam, als wäre sie schon das große Finale.

Allein mit den Mitteln von Tanz und Gesang stellten die Akteure typische Bräuche und Traditionen der jeweils in Szene gesetzten Provinzen dar. Jedes Tanzdetail fügte sich perfekt in den Folklore-Teppich. Mit wirbelnden Pirouetten, rasanten Schrittfolgen und artistischen Sprüngen versetzten die zwischen Stepptanz, Kasatchok und Linedance wie auf Schlittschuhen über das Parkett schwebenden Tänzerinnen und Tänzer die begeisterten Zuschauer immer wieder in ungläubiges Staunen. Mitunter gar in enthusiastische Stimmung. Denn bei entsprechendem Szenenapplaus wurde die Schlusssequenz der jeweiligen Tanzeinlage quasi als ad-hoc-Zugabe unverzüglich wiederholt. Mit scheinbar noch mehr musikantischer und tänzerischer Ausgelassenheit. Bei soviel feurigem Temperament wurde Väterchen Frost nicht wirklich vermisst.

Von Rolf-Dieter Diehl