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Celle Stadt Wenig Interesse in Celle an Hermann Löns
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wenig Interesse in Celle an Hermann Löns
16:38 15.04.2016
Von Andreas Babel
Celle Stadt

Hermann Löns scheint niemanden mehr hinterm Ofen hervorzulocken. Dieser Eindruck drängte sich am Donnerstagabend im Bomann-Museum auf, wo sich lediglich 14 Interessierte im Kino einfanden, um einem profunden Löns-Fachmann zu lauschen. „Ich ärgere mich so ein bisschen“, meinte denn auch Jochen Meiners, der Leiter des Museums, über die geringe Resonanz.

Die, die gekommen waren, haben ihr Erscheinen sicher nicht bereut. Denn: Heinrich Thies trug größtenteils frei vor, rezitierte Lyrik des Heidedichters aus dem Kopf und sang sogar mit dem Publikum einige Strophen des Abendliedes: „Rose Marie, Rose Marie. Sieben Jahre mein Herz nach dir schrie.“ Eine Besucherin kannte den Text ebenso gut wie der Referent, der als Bauernsohn mit Hermann Löns quasi aufgewachsen war, und sang aus voller Kehle zum Schluss mit Thies im Duett.

Wer gedacht hat, dass die neue Doppelbiografie aus der Thies‘schen Feder über Lisa und Hermann Löns („Mein Herz gib wieder her“, Verlag zu Klampen, 368 Seiten, 24,80 Euro) auf Kritik aus Reihen der Löns-Verehrer stieß, sah sich getäuscht. Es gab keine Kritik an dem Vorgetragenen. Das lag sicher vor allem daran, dass die Besucher sehr schnell merkten, dass sie einem Mann zuhörten, der sich sehr lange und sehr tief mit dem ungleichen Leben und dem Werk des Journalisten- und Schriftsteller-Ehepaars beschäftigt hat.

Mit seiner sonoren Stimme und großem schauspielerischen Talent las der ehemalige langjährige HAZ-Redakteur Passagen aus seinem Buch vor: So Dialoge mit dem Mond des „mehr als mondsüchtigen“ Dichters. Als „unheimlich berührendes Stück Literatur“ bezeichnete er das Kriegstagebuch, das Löns bis kurz vor seinem Tod im Jahre 1914 geführt hatte. Dieses akribisch geführte Buch rehabilitiere den Schriftsteller für vieles, was er vorher an rassistischen oder frauenfeindlichen Zeilen zu Papier gebracht habe. „Deshalb habe ich ganz viel aus diesem Kriegstagebuch in meine Romanbiografie eingearbeitet“, sagte Thies.

Lisa Löns bezeichnete er als „sehr bewundernswerte Frau“, die sich im Hintergrund gehalten habe und bescheiden gewesen sei. Sie habe als Pazifistin den Nationalsozialismus abgelehnt, habe aber in einem „unglaublich spannenden Balanceakt“ mit NS-Kulturpolitikern bis hin zu Joseph Goebbels über die Herausgabe der Löns-Werke verhandelt.

Die einzige Fragestellerin aus dem Publikum wollte etwas über den Verbleib des geistig und körperlich behinderten Löns-Sohnes Dettmer wissen. „Wir haben ihn noch in Bad Oeynhausen besucht: Er war komplett kommunikationslos“, sagte der Großneffe des Heidedichters, Klaus Löns, der seit einigen Jahren in Celle lebt. „Er hat in seiner eigenen Welt gelebt“, sagte eine Zuhörerin. Und das trifft ja in besonderer Weise auch für seinen Vater zu, der sehr spezielle Werke schuf, die heute offenbar nur noch wenige interessieren.