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Celle Stadt Weniger Flüchtlinge: Celler Kommunen können Leerstand weitgehend vermeiden
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Weniger Flüchtlinge: Celler Kommunen können Leerstand weitgehend vermeiden
17:00 14.06.2017
Von Simon Ziegler
Celle Stadt

Logische Konsequenz: Die Kommunen benötigen immer weniger Wohnraum. Die Stadt Bergen beispielsweise hält derzeit noch 36 Wohnungen für Flüchtlinge bereit. "In Spitzenzeiten hatten wir 50 Wohnungen", sagt Frank Heins, Fachdienstleiter Bürgerservice der Stadt. Die Verträge mit Vermietern seien so geschlossen worden, dass sie nach den gesetzlichen Fristen kündbar seien. Jeden Monat würde die Stadtverwaltung in Bergen ein bis zwei Wohnungen kündigen.

Zuletzt hatte der Landesrechnungshof kritisiert, dass in Niedersachsen vielfach langfristige Verträge geschlossen worden waren. Für nicht genutzte Flüchtlingsunterkünfte hat Niedersachsen nach Angaben des Landesrechnungshofs zwischen Herbst 2015 und Herbst 2016 gut 100 Millionen Euro ausgegeben. Das Land zahlt noch dieses Jahr 19,5 Millionen Euro für nicht benötigte Plätze.

Die Kommunen im Kreis Celle scheinen finanziell dagegen ganz gut durch die Flüchtlingskrise gekommen zu sein. Beispiel Lachendorf: "Die Lage ist finanziell entspannt", sagt Verwaltungschef Jörg Warncke. Neubauten wurden durch Zuschüsse des Landkreises und mit einem zinslosen Darlehen des Landes finanziert. Acht für geflüchtete Menschen vorgesehene Wohnungen stehen in der Samtgemeinde derzeit leer. Es müssen dieses Jahr laut Quote noch 40 Flüchtlinge aufgenommen werden. Dazu kommt: Flüchtlinge holen jetzt ihre Familien nach. Die Wohnungen werden also benötigt.

In Nienhagen baut die Samtgemeinde Wathlingen derzeit eine neue Flüchtlingsunterkunft – beschlossen auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise. "Wir bauen mit der Option, dort Sozialwohnungen einzurichten", sagt Verwaltungsvertreter Stefan Hausknecht. Von 92 Wohneinheiten in der Samtgemeinde stehen derzeit neun leer. Auch im ehemaligen Hotel Müggenburg sind Kapazitäten frei. "Das bewegt sich aber alles im moderaten Rahmen", so Hausknecht. Viele Kommunen versuchen, eigene Häuser und Wohnungen zu nutzen und die Mietverhältnisse mit Dritten nach und nach zu beenden, um die finanzielle Belastung zu reduzieren.

Die Gemeinde Winsen hat Mietverträge mit unterschiedlicher Dauer abgeschlossen, erklärt Hauptamtsleiter Dirk Burghardi. In der "Alten Molkerei" an der Celler Straße werden keine Flüchtlinge mehr untergebracht. Dem Vernehmen nach hatte die Gemeinde einen langfristigen Mietvertrag mit dem Eigentümer abgeschlossen. Die Gemeinde bemüht sich derzeit, aus dem Vertrag herauszukommen.

Bei der Stadt Celle heißt es, dass von Leerständen nicht gesprochen werden könne. "Wir haben zwar einige wenige Unterkünfte in der Bevorratung. Diese benötigen wir allerdings zeitnah insbesondere zur Unterbringung der erwarteten Familiennachzüge", sagt Stadtsprecher Wolfgang Fischer.

Gleichwohl können die Flüchtlingszahlen auch wieder ansteigen, auch darauf müssen die Kommunen vorbereitet sein. In Italien sollen wieder mehr Flüchtlinge angekommen sein als in den vergangenen beiden Jahren. Auch auf den griechischen Inseln warten viele Menschen, um aufs europäische Festland zu kommen. Die Lage könnte schnell wieder angespannt sein, auch im Kreis Celle.