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Celle Stadt Weniger denken, mehr hören
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Weniger denken, mehr hören
15:08 05.02.2010
Celle Stadt

Im 3. Abonnementskonzert des Braunschweiger Staatsorchesters sollte sinnlich erfahrbar werden, wie sich der Zusammenhang von Bildender Kunst und Musik in ausgewählten einzelnen Momenten der Musikgeschichte darstellt. „Musik und Bilder“ lautete deshalb auch der Titel des Konzerts unter Leitung von Gerd Schaller in der Celler Congress Union. Martin Weller, in einer Person Orchesterdirektor, Konzertpädagoge und Trompeter, hatte sich viel vorgenommen. Leider aber ist dem so große Verdienste um das Orchester gebührenden Weller die Veranstaltung weniger zu einem Konzert denn zu einem klanglich üppig illustrierten Volkshochschulvortrag geraten, in dem mehr angedeutet als ausgeführt wurde. Und genau das machte die Angelegenheit trotz der unbestreitbaren Fähigkeiten des immer frei und locker moderierenden Martin Weller zu einer letztlich nur sehr bedingt befriedigenden Sache.

Es standen weitgehend Stücke auf dem Programm, die von über dem Orchester großflächig wiedergegebenen Bildern angeregt wurden. Nur: Was bringt es, wenn man zu Sergej Rachmaninows auffallend gut musizierter Tondichtung „Toteninsel“ Arnold Böcklins gleichnamiges Gemälde sieht? Und George Antheils höchst selten gespielte 6. Sinfonie zu hören und dabei das bekannte Revolutionsgemälde von Delacroix vor Augen zu haben, von dem sich der Komponist in einem von drei Sätzen hat inspirieren lassen, blockiert eher das Ohr für die immense Vielfalt der zu erlebenden Klangereignisse als dass es dies öffnen würde. Da wurde ganz ungewollt der Beweis geführt, dass gute Musik eben doch vorwiegend als absolute Musik und damit als Klang gewordenes Gefühl wirkt und weniger als gedankliches Konstrukt oder als Objekt der rationalen Auseinandersetzung des Publikums mit dem Musikstück.

Natürlich waren die aufgezeigten Querbezüge zwischen der absoluten musikalischen Fugenkunst eines Johann Sebastian Bach und dem Kunstverständnis verschiedener Bildender Künstler erhellend. Dass der abstrakten Musik einer Bach-Fuge die abstrakte Kunst nahe steht, wurde vermittelt. Dass die Abstraktion dann letztlich bis zur leeren weißen Leinwand eines Robert Rauschenberg führt und dass das musikalische Pendant dazu John Cages 4’33’’ darstellt, das wurde alles von Weller anschaulich skizziert. Ein sinnliches Erlebnis wurde daraus aber nicht. Und die Aufführung des Cage-Stückes wurde gar Opfer misslicher Umstände im großen Saal der Union. Das Rauschen der Klimaanlage übertönte weitgehend die von Menschen erzeugte Musik. Cage hätte das zwar sicher als eine von unendlich vielen Aufführungsvarianten akzeptiert, besonders reizvoll anzuhören war sie aber nicht.

Von Reinald Hanke