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Celle Stadt Wenn Verfall zu Kunst inspiriert
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wenn Verfall zu Kunst inspiriert
21:36 31.05.2015
Eröffnung der Ausstellung "Zeitzeichen Hattendorffstraße" am 30. Mai 2015 im Atelier 22, Celle, Fotos: a) Vereinsvorsitzende Evelyn Reschke (links) bei ihrer Begrüßung, hinter ihr Peter Lindemann, der die Künstler der Gruppe "Idee Phoenix" vorstellte. b) Drei Fotos von alten Tapeten, die erst nach Abmontage der Heizkörper sichtbar wurden (Ruth Schimmelpfeng-Schütte) c) Bemalte Mauerreste (Ruth Schimmelpfeng-Schütte) d) Vorn Udo Strohmeyers "Block 12", eine kleine Statue, die er aus Materialien des Hauses Hattendorffstraße 12 hergestellt hat. Dahinter Fotocollagen, die Ruth Schimmelpfeng-Schütte aus gewöhnlichen Fotos von Motiven der Abrisshäuser gestaltet hat. e) Dasselbe Motiv - mit den beiden Künstlern Quelle: Peter Bierschwale
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Peter Lindemann, Mitglied dieser Künstlergruppe und Verfasser einer Begleitbroschüre über die Geschichte der Hattendorffstraße, gab einen Rückblick auf die Entstehungsgeschichte des Projekts: „Eines Tages hörten wir, dass drei Häuser des Celler Bau- und Sparvereins ,rückgebaut‘ werden sollten.“ Die Gruppe habe sich dann vorgenommen, den Abriss künstlerisch zu begleiten und die Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wegen ihres Alters und Zustandes hätte sich eine Sanierung der Häuser nicht rentiert.

Die Häuser in der Hattendorffstraße hätten, das betonte Fritz Stünkel vom CBS, vor 100 Jahren ein „aktuelles und notwendiges Wohnangebot“ gebildet. Der Gruppenname „Idee Phoenix“ stehe auch dafür, dass der CBS die drei Häuser hatte „zu Asche werden lassen“. Dort, wo einst die Häuser gestanden hätten, befänden sich nun „Nachbarschaftsgärten“. Das atelier 22 und der CBS führten eine enge Beziehung, auch, weil der CBS eines dieser Häuser dem Atelier überlassen habe. Dieses Haus gehörte nicht zu den abgerissenen: „Das Atelier bereichert das Quartier, danke. Sie geben mit ihrer Ausstellung auch unserem Tun einen kleinen Effet.“

Udo Strohmeyer ist eigentlich ein Experte für großflächige Gemälde, aber für diese Ausstellung hat er eine Skulptur aus den Baumaterialien eines abgerissenen Hauses erstellt und nach dessen früherer Hausnummer „Block 12“ genannt. Daneben hängen die Bilder von Ruth Schimmelpfeng-Schütte. Die hat normale Fotos der Abrisshäuser digital verfremdet, zum Teil auch neu zusammengesetzt, und erzielt damit interessante Effekte. Fast melancholisch anrührend sind auch ihre drei Fotos von Uralt-Tapetenmustern, die erst sichtbar wurden, als die Heizkörper abmontiert worden waren.

Wolfgang Deckers Bilder sind von der Idee her diesen Bildern ähnlich, denn auch er hat Fotos verfremdet. Allerdings wirken sie – passend zum Anlass – viel trister, weil die Basis seiner Bilder schwarz-weiße Bleistiftzeichnungen bilden. Petra Decker-Schimanski hat alte Materialien aus den Häusern zu Neuem zusammengefügt. Eine ganz eigene Form der künstlerischen Dokumentation bildet die Video-Installation von Marlies Brusdeylins, die bewusst wie ein leicht verwackelter Amateurfilm gestaltet wurde. Sie hätte „fast jeden zweiten Tag“ nach „Fortschritten beim Rückbau“ geschaut und die dann mit der Kamera festgehalten.

Die Ausstellung ist bis 5. Juli donnerstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Von Peter Bierschwale