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Celle Stadt Wenn im Celler Hafen die Boote abheben
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wenn im Celler Hafen die Boote abheben
17:47 05.11.2010
Ins „Winterlager“ an Land: Der Yacht-Club Celle hat per Autokran 15 Boote aus dem Wasser holen lassen und sie aufs Trockene gebracht. Quelle: Gert Neumann
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Überlegt und gefühlvoll – so als schöbe er die Dame beim Schachspielen in die „Matt“-Position – bedient Kranfahrer Andreas Stich den Joystick seines Liebherr-Automobilkrans LTM 1200.

Das Schwergewicht von Autokrane Schröder kann 200 Tonnen Gewicht heben. Da ist die 11-Tonnen-Yacht von Erwin Martin – ein 11,20 Meter langes Boot höherer Klasse – etwas für die „leichte Schulter“. Das wertvolle Wasserfahrzeug, das Stich aus dem Celler Hafenbecken „gefischt“ hat, ist etwas Besonderes im Yacht-Club Celle, der seit seiner Gründung 1972 am Hafen ansässig ist.

Die „Poseidon“, so der Name der Vorzeige-Yacht, ist seetüchtig und zuletzt auf der Ostsee anzutreffen gewesen. Schwergewichte der „Po-seidon“-Klasse sind im Yacht-Club Celle die Aus-nahme. Dort gibt es Boote von einer Tonne Gewicht bis hin zur „Poseidon“-Klasse – sowie zahlreiche Leichtgewichte, die ohne große Mühen über die Slip-Anlage des Vereins an Land gezogen werden. Die 15 größeren Boote benötigten fremde Hebe-Hilfe und werden vom Autokran aufs Trockene gebracht. Alle Bootseigner packen bei den Land-Hol-Aktionen mit an. „Einer für alle und alle für einen – das ist unser Motto“, so der Vereinsvorsitzende Werner Leineweber, dessen Boot „Leine“ nun auf die

winterliche Überholung wartet.

Bei den Land-Hol-Aktionen ist eingespieltes Teamwork nötig. Je zwei Männer bugsieren zwei Tragegurtbänder unter das zu hebende Schiff. Dann geht es in die Höhe, vorbei am Schornstein des DLRG-Häuschens auf den bereitgestellten Trailer. Fünf Boote werden pro Stunde auf Trailern abgesetzt und mit dem vereinseigenen Traktor an ihren Stellplatz geschoben.

Auch die eine Tonne schwere „Tringa II“ von Wolfgang Schlopsning landet auf einem Trailer. Einem kürzeren freilich – denn sein Boot misst nur 6,10 Meter und wird in der heimischen Garage Platz finden. Als einer der Ersten hatte Willi Palm aus Sülze den Hoch-druckreiniger in der Hand, reinigte sein Schiff schon vor dem gemeinsamen Frühstück von der Wasserseite. „So lange die Schmutzanhaftungen nicht angeklebt sind, bekommt man sie leicht wieder ab“, so der Umweltbeauftragte des Vereins, der als Vorbild eine große Plane unter seiner „Hibriga“ ausgebreitet hatte. „Das ist wichtig, damit kein Öl oder Anhaftungen in den Boden eindringen. Da achte ich sehr stark darauf.“

Das Landholen der Boote ist ebenso wie das Zu-Wasser-Lassen ein jährlich wiederkehrendes Ritual, zu dem Autokrane Schröders Dienste vonnöten sind. „Von Beginn an ist Schröder unser Partner gewesen“, so Leineweber. Was Kranfahrer Stich besonders entgegenkommt, der sich seit 20 Jahren die Yacht-Club-Termine nicht nehmen lässt: „Jedesmal warten eine drei Stunden währende konzentrierte Arbeit, aber auch viel Freude auf mich. Die Leute vom Yacht-Club laden danach zum Frühstück ein.“ Dies zu bereiten, ist Aufgabe der Ehefrauen der Freizeitka-

pitäne. Mett-, Wurst-

und frische Käsebrötchen sowie Eier, Kaffee und Tee sind der Lohn für die Arbeit, die bereits um sieben Uhr in der Frühe beginnt.

Von Gert Neumann