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Celle Stadt Wie Arbeitgeber den Beschäftigten die Zeit stehlen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wie Arbeitgeber den Beschäftigten die Zeit stehlen
18:23 19.11.2010
\\"Tatort" Arbeitsplatz war eine sehr gut besuchte \\"ver.di\\"-Veranstaltung. Im Hintergrund Rechtsanwalt Mario Böttcher (links) und ver.di-Fachsekretär Rainer Knake. Quelle: Gert Neumann
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Das sahen auch die Besucher so, die in den Räumen der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) in der Celler Spörckenstraße 63 mehr als nur eine Auffrischung ihres Wissens erfuhren. Vehement hatte Moderator Knake den graden Weg zum Erfolg gewiesen. „Bei klarer Rechtslage kann es nur heißen: bitten (den Arbeitgeber), fordern (vom Arbeitgeber) handeln (Klage gegen Arbeitgeber).“

Böttcher referierte über zweieinhalb Stunden – mit vielen Beispielen und Zwischenfragen. Arbeitszeit, so Böttcher, sei die Zeit vom Beginn bis zum Ende der Arbeit ohne Ruhepausen. Sie sei die Zeitspanne, während der Arbeitnehmer gemäß Rechtsvorschriften und/oder Gepflogenheiten arbeiten, dem Arbeitgeber zur Verfügung stehen und ihre Tätigkeit ausüben oder Aufgaben wahrnehmen. Arbeitsbereitschaft und Bereitschaftsdienst, zählen auch dazu, nicht aber die Rufbereitschaft, Ruhepausen und Ruhezeiten. Rechtsvorschriften fänden Betroffene im Arbeitszeitgesetz, Jugendarbeitsschutzgesetz, Kinderarbeitsschutzverordnung und im Mutterschutzgesetz.

Die werktägliche Arbeitszeit betrage bis zu acht Stunden. Sie dürfe bis auf zehn Stunden ausgedehnt werden, wenn innerhalb von sechs Monaten im Durchschnitt nicht mehr als acht Stunden je Werktag gearbeitet werde. Böttcher riet den Besuchern zweierlei: Im Zweifel fachkompetente Beratung nehmen und niemals vor einer Beratung einen vorgelegten Vertrag zu unterschreiben. „Dann benötigen sie nämlich keine anwaltliche Hilfe mehr, denn dann haben Sie schon verloren“, so der Experte.

Als Richter lehnte Kreß konkrete Rechtsberatung ab. „Dafür sind andere zuständig. Als Richter kann ich nur auf gängige Rechtspraxis verweisen“.

Von Gert Neumann