Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Wieviel Management braucht der Wolf?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wieviel Management braucht der Wolf?
15:24 20.05.2015
Vergangene Woche lief ein Wolf bei Eschede in eine Fotofalle. Die Zahl der Tiere steigt weiter an. Quelle: Helge John
Celle Stadt

In Großburgwedel berichtet eine Frau, dass ihr Hund vom Wolf gebissen wurde, in Uelzen filmte ein Bauer, wie ein Rudel um seinen Trecker herumsprang und dabei keine Angst hatte. Ein Jäger berichtet, dass angeblich ein Wolf auf ihn zugerannt ist und er ihn erst durch einen Warnschuss aus einer Pistole zum Abdrehen brachte.

Auch der Celler Wolfsberater Helge John hält dieses Verhalten für ungewöhnlich. Hauptsächlich beziehen sich diese Erlebnisse offenbar auf Tiere, die aus dem Munsteraner Rudel stammen und auch durch den Landkreis Celle streifen. Selbst das Umweltministerium kündigt jetzt eine verstärkte Überwachung an und räumte damit gleichzeitig ein, dass es so nicht weitergehen kann. Wie die Überwachung aber funktionieren soll, ist noch nicht klar. „Die Theorie und Praxis müssen da noch ein bisschen mehr in Einklang gebracht werden“, sagt John. Er war als Förster auf dem Übungsplatz in Munster tätig, kennt die Tiere dort ziemlich gut. Die plausibelste Erklärung für deren Verhalten liegt für ihn in der Übungsstruktur des Platzes. „Es gibt relativ wenig Schießlärm. und auf dem Platz sind viele Menschen und Fahrzeuge unterwegs. Die Wölfe lernen schon sehr früh Menschen kennen. und sie haben keine negative Erfahrung mit ihnen“, sagt John. So werde die Scheu eventuell abgebaut.

Doch was folgt als nächster Schritt? Einig sind sich alle, dass Wölfe hochintelligente Tiere sind. und sie haben das Potenzial, Menschen zu verletzen oder zu töten. Doch würde der Wolf diesen Schritt deshalb auch gehen? Der Verhaltensforscher Valerius Geist, der in Kanada lebt, hat selbst Erfahrung mit Wölfen und vor kurzem einem Reporter der Wochenzeitung „Die Zeit“ genau das erzählt. Am Anfang waren die Wölfe in Kanada freundlich testend, am Ende aggressiv und angriffslustig. John kann einen Wechsel im Verhalten der Wölfe nicht ausschließen. „Niemand kann das.“ Letztlich verweist er aber darauf, dass in den vergangenen 50 Jahren neun Menschen durch Wölfe getötet wurden, fünf davon waren tollwütige Tiere.

Doch die Berichte über die Vorfälle lösen Ängste aus, die letztlich zu tiefgreifenden Konflikten führen werden, wenn es weiter zu unangenehmen Begegnungen kommt. Nach den ersten Sichtungen außerhalb der Übungsplätze gab es Unruhe im Landkreis Celle. Doch viele Menschen, die anfangs vielleicht sogar negativ eingestellt waren, beruhigten sich, als die Tiere nicht weiter in Erscheinung traten. Das ändert sich jetzt.

Abgeordnete wie der Celler Ernst-Ingolf Angermann (CDU) fordern ein verstärktes Wolfsmanagement, und das bedeutet für ihn auch: Abschuss allen voran bei den „Wölfen, die artfremdes Verhalten zeigen.“ Bei Gesprächen in der Generaldirektion der Umweltkommission in Brüssel habe er die Aussage bekommen, dass ein verstärktes Management in diesem Gebiet ob der Besiedlungsdichte bereits heute möglich sei.

Das Umweltministerium sieht das noch anders und verweist darauf, dass der Wolf eine streng geschützte Tierart ist. Auch eine Aufnahme ins Jagdrecht würde daran nichts ändern, so eine Sprecherin. Wolfsberater John berichtet, dass der Wolf in Sachsen sogar ins Jagdrecht aufgenommen worden ist, dort damit aber schlechte Erfahrungen gemacht wurden. „Jetzt wollen mehr Stellen mitreden, aber es dürfen trotzdem keine Abschüsse stattfinden“, sagt John.

Der strenge Schutzstatus sorgt auch dafür, dass für mögliche Gegenmaßnahmen die Hände gebunden sind. So wird diskutiert, Soldaten auf dem Truppenübungsplatz in Munster mit Schreckschusswaffen auszurüsten, um den Tieren die Scheu zurückzugeben. Doch das ist nicht so einfach. Weil die Wölfe unter Schutz stehen, dürfen sie in ihrem Lebensraum nicht gestört werden.

Von Tore Harmening