Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Wilder Parforce-Ritt durch 99 Megahits
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wilder Parforce-Ritt durch 99 Megahits
17:22 22.01.2014
Felix Janosa „In der Hitfabrik“: - Er nahm das Musikgeschäft gekonnt aufs Korn. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Janosa nannte die Eingangsvoraussetzungen für das Musik-Geschäft: Erstens bräuchte man ein BWL-Studium, zweitens müsse man „völlig unmusikalisch“ sein. „Ich brauchte lange für meine erste Goldene Schallplatte“, sagte er. „Wohl weil ich Musik studiert hab’.“ Diesen Hohn auf den schnellen Erfolg ohne breitere Basis zementierte Janosa, der alle Zynismen der Branche ausspielte und ein Dauergrinsen zum Besten gab, indem er zeigte wie man mit Software-Bausteinen fix Charthits zusammenkleistert. Ähnlich bastele man Werbesongs für eine Bettnässerwindel, ein Möbelhaus, für Behörden oder in Rammstein-Manier für die Kirche. Dem Publikum – vor allem aus Lehrer- und Schülerschaft – gefiel der Bühnen-Workshop „Schlager schreiben in 10 Minuten“. Es textete tatkräftig für Lagunen-, Stadl- und Ballermann-Schlager. Janosas Routine mit Texten und Trends zeigte sich glanzmäßig in der Bushido-Nummer über Goethes Faust für Berliner Kids: „...vom Heimkind zum Reimkind zur Hochkultur. Respekt“. Selbst die Haltung des Mikros hätte er einstudiert. Das war stark. Überhaupt hat der Beatles-Experte einen Kunstkniff drauf: er jagt virtuos am Klavier durch Epochen und Stile, liefert furiose Parodien und groovigem Jazz und tut vor allem eines: er nutzt arrogant-sympathisch die Szene, die er verhöhnt: das menschenverachtend-zynische Musikgeschäft. Als eine Zugabe prasselten 104 chemische Elemente nach Offenbachs „Cancan“ auf die Zuhörer hernieder. Eine wortgewaltige Eruption.

Von Aneka Schult