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Celle Stadt Wildwest-Manieren auf Parkplätzen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wildwest-Manieren auf Parkplätzen
14:21 05.03.2012
Parkplatzsituation am Sch¸zenplatz und Biermannstrafle Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

CELLE. Ein typischer Donnerstag-Vormittag auf dem Celler Schützenplatz-Parkplatz: Ein kleiner roter Seat steht hilflos zugeparkt zwischen zwei Mittelklasse-Limousinen. Einen beulenlosen Ausweg aus dieser Situation gibt es für das blockierte Auto nicht. Dies ist ein Musterbeispiel der Celler Parkkultur auf dem kostenfreien Parkplatz auf dem Schützenplatz. Hier herrscht das ganze Jahr über Rummel.

Nicht anders auf dem bahnnahen und ebenso kostenlosen Parkplatz an der Biermannstraße: Zwar geht es hier deutlich gesitteter zu, was die Fahrzeugabstände zueinander betrifft, aber es läuft nicht perfekt. Angefangen bei den großen Schlaglöchern, die die Autofahrt zum Buckelpisten-Vergnügen machen. Aufgehört bei der Auffassung des Wortes „Gasse“ am Ende einer Parkreihe: Vier Autos blockierten die Ausfahrt durch dichtes Zusammenstehen so stark, dass zur Ausfahrt wieder der Weg zurück über die Buckel genommen werden muss.

Das Paradebeispiel ist das Park-and-Rail-Haus am Bahnhof. Hier sind die ersten fünf Etagen komplett besetzt, dafür lässt es sich für zwei Euro am Tag, sieben Euro in der Woche, 24 Euro im Monat oder 130 Euro im Jahr geschützt und gesittet parken. Zudem ist es ein preiswerter Tipp für Anwohner ohne feste Garage. Das Fazit: Parallel zu den Kosten sinkt auch das Parkvermögen bei den Cellern.

„Hier gibt es das Spielgelbild der Deutschen Autofahrermoral zu sehen“, sagt Detlev Wycisk. Er parkt öfter am Schützenplatz, um in der Innenstadt Erledigungen zu tätigen. „In Celle ist ohnehin eine schlechte Parkmoral vorhanden.“ Über 250 Autos stehen auf dem schlammigen Schützenplatz. Da allerdings keine Markierungen vorgegeben sind, wo die Autos stehen sollen, ist das Chaos vorprogrammiert. An der Seite, in der Mitte: Überall Autos dicht an dicht. Am Tag zuvor erlaubte sich ein Autofahrer sogar die Dreistigkeit, nur knapp neben der Einfahrt zu parken, was für die anderen Verkehrsteilnehmer die Ausfahrt zu einem Kunststück mutieren ließ.

Wycisk fordert mehr Klarheit: „Jeder müsste wissen, wo man parken darf. Man sollte im Prinzip die Auto-Buchten mit Linien kennzeichnen.“ Fraglich, ob die Stadt die Mittel für eine solche Aktion hätte. Der langjährige Schützenplatz-Parker Wolfgang Jahnke schlägt in die gleiche Kerbe: „Das geht vorne schon los. Die Auto-Abstände sind viel zu klein.“ Ein Autofahrer, der nicht in der Zeitung genannt werden will, hat einmal etwas beobachtet: „Es ist eine schwierige Situation für die Polizei wenn jemand zugeparkt ist. Keiner hat Zeugen, dass er der erste war, und so ist die Polizei beim Abschleppen machtlos.“

Noch schlimmer, als zugeparkt zu sein, ist es, wenn das Auto Schaden erleidet. Obwohl Klaus Köpke durch Fremdeinwirkung auf dem Schützenplatz einen Frontalschaden im Wert von 1800 Euro erlitt, parkt er weiter hier – üblicherweise wenn Markttage sind. Ein Täter wurde nicht ermittelt. „Jeder parkt so, dass er irgendwo unterkommt. Vielleicht läuft der Celler nicht allzu gern weit“, rätselt Köpke.

Zurück zum Tatort mit dem roten Auto: Kaum ist es vom Hintermann aus seiner misslichen Lage befreit worden, stellt sich nach fünf Minuten das nächste Auto hinten an. Erst nachdem die Fahrerin auf ihre Aktion aufmerksam gemacht worden ist, verlässt sie bereitwillig den Parkplatz. Ihre Parkmoral hatte ihren Blick versperrt.

Von Andre Batistic