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Celle Stadt Winzer erwartet karge Weinlese an der Aller
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Winzer erwartet karge Weinlese an der Aller
19:06 30.07.2017
Von Christian Link
Winzer Wolfgang Janß (rechts) erklärt die Eigenheiten des Celler Weinbergs, der wegen des Frosts erheblich gelitten hat. Quelle: Christian Link
Celle Stadt

„Der Frost vom April zieht sich bis auf den Schreibtisch des Oberbürgermeisters“, sagte gestern Wolfgang Janß beim Tag der offenen Tür im Rebgarten an der Aller. „Ich kenne Betriebe in Rheinhessen, die haben bis zu 90 Prozent ihrer Erntemenge verloren.“ In Celle sehe das ganz ähnlich aus.

Laut Pachtvertrag müssen die Weinbergbetreiber eigentlich 40 Prozent ihres Ertrags an die Stadt abführen. Doch der erste Jahrgang in der Amtszeit von Oberbürgermeister Jörg Nigge wird den Rathaus-Weinkeller nicht an die Kapazitätsgrenze bringen. Janß rechnet damit, dass die Trauben auf dem Weinberg für gerade mal ein Dutzend Flaschen insgesamt reichen und frühestens Mitte 2018 gereift sind. „Es is‘ net schön. Das Glück hat uns in diesem Jahr verlassen“, so der Rheinhesse. Im Vergleich zu seinem heimischen Weinberg seien die Celler Reben zudem noch viel zu klein. „Die Trauben sind jetzt schon mindestens vier Wochen hintendran.“

Wenn alles perfekt läuft, kann der 3000 Quadratmeter große Celler Rebgarten mit seinen 120 Rebstöcken bis zu 180 Flaschen produzieren. „Es wundert mich, wie klein das hier ist“, sagte eine Besucherin. Janß verwies in dieser Hinsicht an den Rat der Stadt Celle, der über die Anlage entscheide. Er selbst sei zufrieden. „Den Weinberg größer zu machen ist kein Thema. Aber es soll kein Kommerz werden, sondern ein Hobby bleiben und Spaß machen.“

Der Weinberg wurde 1984 auf Ratsbeschluss angelegt. Zunächst wurde hier Weißwein angebaut. Winzerin und Pächterin Gudrun Reske-Achenbach schwenkte jedoch 2004 auf Rotwein um. Seit 2017 leitet Udo Schüßler den Weinberg und hat sich als Fachmann den mehrfach ausgezeichneten Winzer Wolfgang Janß ins Boot geholt. „Wolfgang nimmt mir heute die Arbeit der letzten vier Monate ab und ich lächele noch“, sagte Schüßler. Zuschauer seien auf dem Weinberg immer gerne gesehen. Schüßler: „Bei Facebook schreibe ich immer rein, wenn ich hier zum Arbeiten komme.“

„Ich habe heute viel mehr erfahren, als ich erwartet habe“, sagte Besucher Alfred Rabe aus Lachendorf. Den Celler Weinberg habe er sich zwar auch etwas größer vorgestellt, doch überrascht ist er nicht. „Er ähnelt dem Weinberg auf Usedom, nur dass dort keine Bäume drum herum stehen.“ Eine Erweiterung der Anbaufläche hält Rabe für unnötig, man solle den Wein lieber dort anbauen, wo er sowieso wächst. Zu einer Flasche Celler Wein würde er zwar nicht nein sagen. „Zum Trinken wäre die mir aber viel zu schade.“ (cli)