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Celle Stadt "Wir sind die Guten" in Halle 19 des Celler Schlosstheaters gelungen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Wir sind die Guten" in Halle 19 des Celler Schlosstheaters gelungen
18:43 04.09.2016
Celle Stadt

„Wir sind die Guten“ (nach der Vorlage von Mark Ravenhill) beschäftigt sich mit dem demokratischen Selbstverständnis – des einzelnen, einer Gruppe, einer Gesellschaft. Was definiert „Gut“? Wie pauschal kann „gut“ sein? Was ist, wenn eine Mehrheit für sich dieses „gut Sein“ beansprucht, definiert und missbraucht? Ist gut auch richtig?

Ein Sprengstoff-Anschlag wurde verübt. Es gibt Tote und Verletzte. Der Angriff ist unmittelbar, hautnah, und unverständlich. Aufgewühlte, erschrockene Bürger finden sich zusammen und fragen nach dem Warum? Wer und wo sind diese „anderen“ die ihren Alltag und ihre Wertevorstellung ins Wanken bringen? Offenbar sind sie unter uns, (noch) unentdeckt – erzeugen Angst und Wut. Wohin damit? Und wie sich schützen, als einzelner und im Kollektiv?

„Wir sind die Guten! Aber ihr seid böse – dafür sprechen Taten – also wenn wir die Guten sind, dann seid ihr die Bösen!“ Lässt sich Freiheit und Verständnis mit Bösem erkämpfen? Wie weit geht Verständnis, wie weit, wie lange trägt das Verstehen-Wollen? „Wir vergeben euch, wir können euch helfen, wir können euch befreien“, versprechen die Guten. Aber die Geduld, die Bereitschaft und die Einsicht zur Differenzierung nehmen ab. Wie auch kann man unterscheiden, filtern, „gerecht“ bleiben zwischen all dem Schmerz, dem Entsetzen, dem Leid, dieser Ohnmacht … und der Wut, dem Bedürfnis einen Schuldigen zu benennen, auf Rache?

Ravenhill schrieb das Stück im Nachhall des Londoner U-Bahnanschlags 2005. Aus den ursprünglichen 16 einzelnen Kurzstücken entstand zunächst eine gebündelte Episodenform und schließlich eine weiter komprimierte Theaterversion. Die Dramaturgin Mona vom Dahl und Gastregisseurin Milena Fischer haben daraus eine mehr als packende Version zur Aufführung gebracht. Das Ensemble spinnt in Einzelszenen und als Gruppe eindrucksvoll die Roten Fäden zwischen individuellem und kollektivem Abrutsch in den Gau, in dem Gerechtigkeit zu Rechthaben mutiert, Angst und Sicherheitsbedürfnis in Paranoia und Gegengewalt umschlägt. Eine großartige Leistung, musikalisch unterstützt noch durch Ton und Klang live von Hannes Clauss.

Von Doris Hennies