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Celle Stadt Wirtschaft setzt auf Generation 50 plus
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wirtschaft setzt auf Generation 50 plus
16:52 29.04.2013
Von Oliver Gatz
Celle Stadt

Der demografische Wandel stellt die heimische Wirtschaft vor große Herausforderungen. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels wird der Kampf um die besten Köpfe härter. Celle ist davon besonders betroffen. Denn hier wird der Anteil der erwerbsfähigen Menschen in den kommenden Jahren drastisch einbrechen. Welche Schlussfolgerungen aus dieser besorgniserregenden Prognose gezogen werden müssen, diskutierten 18 Teilnehmer eines Workshops im Celler Tor.

Dazu hatten der Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen, der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Demografie-Agentur für die niedersächsische Wirtschaft eingeladen. Unter den Gästen waren zahlreiche Unternehmensvertreter, die sich über mögliche Wege aus dem Dilemma informieren wollten.

„Das Thema trifft Celle besonders hart", erläuterte Wiebke Krohn vom Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen. Die Zahlen sprechen für sich: Nach Angaben der Demografie-Agentur, die im vergangenen Jahr mit Unterstützung des Landes Niedersachsen und des Europäischen Sozialfonds (ESF) gegründet wurde, wird die Zahl der erwerbsfähigen Menschen bis 50 Jahre im Landkreis Celle bis 2030 um 32,9 Prozent zurückgehen.

Ähnlich düster sieht es in den umliegenden Landkreisen aus: Im Heidekreis beträgt das Minus 32,1 Prozent, in Uelzen 33,5 Prozent und in Gifhorn sogar 36,7 Prozent. Deutlich besser schneiden Wolfsburg (minus 21,7 Prozent) sowie Lüneburg (minus 16 Prozent) und Harburg (minus 15,3 Prozent) ab. Im Norden federt die Nähe zu Hamburg eben einiges ab. Deutschlandweit wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter nach Angaben der Demografie-Agentur bis zum Jahr 2060 um bis zu 34 Prozent sinken.

Was also tun? „Wir müssen uns stärker auf die Generation 50 plus einlassen", gab Krohn eine Empfehlung aus dem Arbeitskreis wieder. Betriebe müssten ihrer Personalpolitik intensiver auf diese Zielgruppe ausrichten. Die Aus- und Weiterbildung müsse weiter gestärkt und mehr Flexibilität beim Eintritt in die Rente ermöglicht werden. Darüber hinaus spiele die Attraktivität des Standortes eine große Rolle beim Anwerben von Fachkräften, erläuterte Krohn. Hier sieht der Arbeitgeberverband auch die Kommunen in der Pflicht.

Auszubildende halten und Mitarbeiter binden – so lässt sich der Tenor der Empfehlungen zusammenfassen. Dabei wollen sich die Betriebe öffnen und Lehrstellen für Absolventen aller Schulformen anbieten – wie es die Metallbranche bereits praktiziert. So gibt es im Arbeitgeberverband Niedersachsenmetall seit zwei Jahren Prämien für Betriebe, die Geringqualifizierte ausbilden – mit Erfolg. Die Quote hat sich mehr als verdoppelt.