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Celle Stadt Wiswe: "Schmerzlos wird es nicht gehen"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wiswe: "Schmerzlos wird es nicht gehen"
21:04 17.10.2018
Von Gunther Meinrenken
Das AKH und das Klinikum Peine haben einen Verlust von 16,5 Millionen Euro für 2017 zu verkraften. Der Sanierungsprozess wird schmerzhaft für die Mitarbeiter. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Eineinhalb Stunden hatten der AKH-Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Wiswe und der neue AKH-Vorstand Martin Windmann ursprünglich einkalkuliert, um den Mitarbeitern der Celler Klinik bei einer Betriebsversammlung den "überraschenden Verlust von 16,5 Millionen Euro" für die gesamte AKH-Gruppe im vergangenen Geschäftsjahr zu erklären. Wie zu erwarten, reichte diese Zeit nicht aus. Nachdem die CZ bereits zu gestern die Rahmendaten des desaströsen Abschlusses veröffentlicht hatte, war der Fragebedarf unter der Belegschaft groß. "Es herrschte vor allem Unverständnis, wie wir in diese Situation geraten konnten", fasst Konzernbetriebsratsvorsitzender Ralf Laumert die letztlich zweieinhalb Stunden dauernde Versammlung zusammen.

Diese Frage beschäftigt auch Wiswe und Windmann. Mitte Februar hatte Letzterer seine Tätigkeit in Celle aufgenommen. Als bei einer Aufsichtsratssitzung Laumert nachfragte, warum man denn einen Kredit aufnehmen müsse, wenn doch beim AKH noch 23 Millionen Euro an ausstehenden Forderungen gegenüber den Krankenkassen in den Büchern stehen, "wollten wir das Geld eintreiben, aber auf dem Konto kam nicht so viel an", erklärte Windmann gestern beim Bilanzgespräch. Er wollte der Sache auf den Grund gehen.

Beauftragt wurden die Wirtschaftsprüfer von Rödl & Partner. Dieselben Experten, die dem AKH noch im Vorjahr den Jahresabschluss mit einem Plus von 700.000 Euro positiv bestätigt hatten, stießen nun auf Dinge, die ihnen zuvor anscheinend entgangen waren: "Forderungen, die nicht werthaltig sind", wie Windmann formulierte. Bis April hatten sich so bereits "Rechnungskorrekturen" von minus 4,3 Millionen Euro für das AKH und Minus 5,8 Millionen Euro für das zur AKH-Gruppe gehörende Klinikum Peine ergeben. Das AKH beauftragte die "neutralen" Wirtschaftsprüfer Warth & Klein Grant Thornton mit der Untersuchung. Am Ende stand ein Minus von 16,5 Millionen Euro für die AKH-Gruppe – für Wertberichtigungen und Rücklagen für möglicherweise beanstandete Rechnungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen.

Ist dafür der Vorgänger von Windmann, der ehemalige Vorstand Stephan Judick, verantwortlich? Diese Frage soll eine vom AKH jetzt beauftragte Wirtschaftskanzlei klären. "Es geht nicht darum, dem ehemaligen Vorstand Stephan Judick am Zeug zu flicken", sagte Wiswe. Aber da die gleichen Wirtschaftsprüfer innerhalb von wenigen Monaten zu ganz anderen Ergebnissen gekommen sind, "wollen wir wissen, was da gelaufen ist", so Wiswe, der vor dem Hintergrund, dass ein Teil des Gehalts von Judick erfolgsabhängig gezahlt wurde, meinte: "Wenn ich jemandem einen Bonus zahle, kann ich die Frage stellen, ob dieser Bonus gerechtfertigt ist."

Wer auch immer für die Finanzmisere der AKH-Gruppe verantwortlich sein mag, klar ist: Es wird die Belegschaft sein, die das ausbaden muss. Windmann: "Wir werden umgehend mit Unterstützung von Führungskräften und des Betriebsrats mit einer Personalbedarfsanalyse in allen Bereichen beginnen, um einen effektiven und bedarfsgerechten Einsatz der Mitarbeiter zu gewährleisten. Es wird keine Änderungskündigungen oder betriebsbedingte Kündigungen geben." Doch "schmerzlos wird es nicht gehen", ergänzte Wiswe und machte klar, dass man die Mitarbeiter mitnehmen müsse, es aber keinen Schonbereich geben werde.

Konzernbetriebsratsvorsitzender Laumert machte deutlich, auf welch schmalem Grad man sich dabei bewege. "Was nicht passieren darf, ist, einen Plan zu machen, der mehr Unsicherheit als Sicherheit schafft. Wir kriegen jetzt schon kaum noch Nachwuchs. Für junge Leute ist es kein Problem, sofort in Hannover anzufangen. Dort werden Reinigungskräfte schon per Headhunter gesucht. Daher ist es wichtig, es ausgewogen zu machen." Was genau passieren soll, wird in den kommenden Wochen erarbeitet und letztlich vom Aufsichtsrat abgesegnet. Dessen Vorsitzender Wiswe betonte: "Wir wollen am kommunalen Krankenhaus festhalten."

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