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Celle Stadt Wo Kalligrafie Buchstaben verzaubert
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wo Kalligrafie Buchstaben verzaubert
12:42 16.12.2013
Das Klingspor Museum zeigt - eine einzigartige Sammlung an Schriftkunst wie diesen Psalter. Quelle: Klaus Zimmer
Celle Stadt

Offenbach. Eine einzigartige Sammlung ist da zu sehen, inzwischen auf 75.000 Werke angewachsen, hervorgegangen aus der Privatsammlung von Dr. Karl Klingspor (1868–1950), Mitinhaber der gleichnamigen Schriftgießerei. Den Grundstock bildeten zunächst die Schriftgestaltungen und Bücher von Rudolf Koch und Rudo Spemann

Die vielen Namen, der auch heute noch tätigen Schriftmeister oder Kalligrafen, aufzuzählen ist nicht möglich. Aber gemeinsam beruht ihre Anziehungskraft bei der Schriftgestaltung auf dem lebhaften Kontrast zwischen einer Haarlinie und dem allmählichen Umschlag, dank der Feder, in eine fette Linie. Was diese Künstler da inspirierte, mag uns heute vielleicht langweilen. Zumal das Schreiben und das Lesen von Handgeschriebenem fast völlig verdrängt worden ist, wohl auch, weil das Setzen von Bleilettern aus dem Setzkasten abgelöst wurde durch die digitale Speicherung von Schriften.

Man hat es auch vergessen: Erst durch die Erfindung des Alphabets wurden unsere Gedanken sichtbar – und konnten aufbewahrt werden. Sehr aufschlussreich dazu das Zitat von Horst Janssen, dem genialen Grafiker und Radierer unserer Tage: „Und zwischendurch sage ich mir: Das läuft da alles so eilig nach vorwärts – da gehst du selbst am besten gleich rückwärts.“

Natürlich „stöbern“ die Sachkundigen des Klingspor Museums nicht nur im alten Fundus herum. Illustrierte Bücher, Malerbücher, insbesondere das Künstlerbuch, seit den späten 70-er Jahren sind repräsentativ. Während Bücher von Picasso und Miró vom Bildlichen leben, sind die Werke von Matisse oder Dubuffet unterschiedlich dem Handschriftlichen verbunden. Rupprecht Geigers leuchtstarke Serigrafien werden begleitet von Franz Mon, Eugen Gomringer, Timm Ulrichs oder Emmet Williams; auch eine „Chagall-Bibel“ und die „Maximilliana“ von Max Ernst kamen hinzu.

Und es sind die Blätter der großen Sammlung im Büsing Palais, die Faszination wortwörtlich gebundene Sprache, übersetzt ins Schriftbildliche, in die Illustration sinnbildlich zu erweitern. Für den Betrachter ein ungewöhnliches Erlebnis.

Von Klaus Zimmer