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Celle Stadt Wölfe auch im Celler Stadtgebiet
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wölfe auch im Celler Stadtgebiet
11:09 01.03.2017
Von Michael Ende
Celle Stadt

„Da wir aber alle wissen, dass der Wolf normalerweise heimlich ist, haben wir sicherlich schon erheblich mehr Wölfe als 90 in Niedersachsen. Deshalb sollte jeder, der einem Wolf begegnet, dies einem Wolfsberater melden – wenn dies ohne Gefahr möglich ist, mit Foto“, sagt Pohlmann. Er rät aber davon ab, hinter einem Wolf herzulaufen, nur um ein Foto zu bekommen: „Er ist ein Raubtier, das den Menschen normalerweise ignoriert – wenn er aber bedrängt wird, weiß niemand, wie er sich verhält.“

Junge Wölfe seien wie „Halbstarke“, meint Pohlmann: „Sie sind neugierig, haben den Menschen nie als Gefahr kennen gelernt und probieren aus, wie weit sie gehen können. Der Wolf hat erheblich bessere Sinnesorgane als unsere Hunde, ist anpassungsfähig und steht an der Spitze der Prädatoren in Deutschland. Warum sollte er nicht einmal kleine Ausflüge in menschliche Siedlungen machen oder sich ein wenig auf einer Schafweide vergnügen? Er ist der King, und er zeigt es uns auch.“

Der sich immer weiter ausbreitende Wolf dürfte am Wochenende bei der Hauptversammlung der Celler Jäger wie schon in den Vorjahren ein wichtiges Thema sein. Die Zahl der jährlich bei Verkehrsunfällen getöteten Wölfe ist mittlerweile zweistellig. Dadurch sei dringend die Notwendigkeit gegeben, eine praxis- und tierschutzgerechte Lösung bei Verkehrsunfällen durch die politisch Verantwortlichen zu liefern, sagt Kreisjägerschafts-Vorsitzender Jan-Peter Dralle: „Gleiches gilt für Jagdhunde und Hundeführer im Einsatz: Hier müssen Regelungen her, die sagen, wie man handeln darf - und zwar bevor es Präzedenzfälle gibt.“

Kürzlich habe Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) behauptet, dass die Jäger ein Teil der Problematik der Wolfs-Wiederansiedlung seien. Zitat Wenzel: “Würden mehr Rehe geschossen, gäbe es weniger Wölfe“. Dralle ist irritiert. Er schüttelt den Kopf: „Ganz im Sinne der simplen Wenzel-Logik könnte man auch sagen: Rettet den Wald, esst mehr Spechte!“

Celles Kreisjägermeister Hans Knoop distanziert sich ebenfalls von den Wenzel-Äußerungen: „Dies ist eine unsachliche und polemische Darstellung der Dinge. Der Minister verkennt wohl, dass wir in Niedersachsen leben, einem Bundesland mit 166 Einwohnern pro Quadratkilometer, und nicht zum Beispiel in Ländern wie Kanada mit 3,6 Einwohnern pro Quadratkilometer, oder Alaska mit 0,4 Einwohnern pro Quadratkilometer. Das Verhältnis der Selbstregulierung von Räuber und Beute funktioniert in Niedersachsen nicht mehr, weil der Mensch in dieses System eingegriffen hat und jeder Quadratmeter vom Menschen genutzt wird.“ Die Jäger hätten ehrenamtlich das Wolfs-Monitoring unterstützt und betrieben es weiterhin gemeinsam mit dem zuständigen Landesamt, so Knoop: „Da sind solche Aussagen des Ministers nicht hinnehmbar. Sie sind ein Schlag ins Gesicht.“

Gespannt sein darf man auf das, was Niedersachsens oberster Jäger dazu sagt, wie die Landesregierung den ungebremsten Siegeszug des Wolfes politisch unterstützt. Landesjägerschafts-Präsident Helmut Dammann-Tamke hat seine Teilnahme bei der Jahreshauptversammlung in Bergen zugesagt. Er will sich zu aktuellen Themen und zum Wolfsmonitoring ausführlich äußern. Michael Ende

Die Celler Jäger laden ein: Am Sonnabend, 4. März, findet im Stadthaus in Bergen ab 14 Uhr die Jahreshauptversammlung der Jägerschaft des Landkreises Celle statt. Thema dann auch: der Wolf. Am Freitag, 3. März, von 14 bis etwa 23 Uhr sowie am Sonnabend von 9 bis 14 Uhr besteht die Gelegenheit, die gemeinsam vom Landkreis Celle und der Jägerschaft ausgerichtete Hegeschau zu besichtigen. Zu beiden Veranstaltungen sind alle Freunde des Waidwerks eingeladen. Der Eintritt ist frei.