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Celle Stadt Wohlfühlkabarett mit charmanten Boshaftigkeiten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wohlfühlkabarett mit charmanten Boshaftigkeiten
12:22 24.02.2014
Uli Masuth gab in seinem - Programm in Kunst & Bühne charmante Boshaftigkeiten - zum Besten. Quelle: Alex Sorokin
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In der Tat bediente sich der aus Krefeld stammende und in Weimar lebende „Ossi mit westdeutschem Migrationshintergrund“ eines für einen Kabarettisten geradezu feinen Humors, der auf verständnisvolles Lächeln, gelegentlich auch auf mitleidloses Grinsen setzte, niemals aber auf hämische Schadenfreude. Bezeichnend für seinen schonenden Umgang mit dem Publikum war seine Bemerkung, dass ihm das Thema „Steuerhinterziehung“ unangenehm sei. Man wisse ja nie, „wem man im Publikum damit auf die Füße tritt“. Stattdessen verband er damit eine seiner zahlreichen guten Nachrichten, nämlich die, dass „Alice Schwarzer nun seltener in den TV-Shows zu sehen“ sei. So betrachtete er auch die schlechtesten Nachrichten immer von ihrer guten Seite. Auch die Kosten für den Limburger Dom, für den der Bischof ja „immerhin keine Schulden gemacht“ habe.

Seine charmanten Boshaftigkeiten gab Masuth jedoch mit einer nahezu gleichbleibenden, wenig differenzierten pastoralen Stimme zum Besten, hier und da lediglich durch dezente, gelegentlich auch verschämt aufbrausende Klavierakkorde unterfüttert. Und auch die immer wieder langatmig eingeworfenen Statistiken – angefangen bei Steuereinnahmen über Emissionswerte bis hin zu Lebensmittelkontrollen – trugen nicht dazu bei, das Publikum aus der Reserve zu locken. Dadurch wurde der Spannungsbogen zunehmend schlaffer, und das Publikum zeigte seine durchaus vorhandene Begeisterung dann auch auf ebenso zurückhaltende Weise. Bisweilen sorgten die Zuhörer aber mit Zwischenbemerkungen auch selbst für Stimmung, etwa als Masuth unter Berufung auf den Philosophensatz „Cogito ergo sum“ („Ich denke, also bin ich“) eine imaginäre Frau zu ihrem Mann sagen ließ „Dann gibt es dich ja eigentlich gar nicht“ und daraufhin eine männliche Stimme aus dem Publikum einwarf: „Das habe ich jetzt nicht verstanden.“

Keine Frage: Masuths Beiträge hatten es trotz oder gerade wegen seines gemütlichen Plaudertons in sich. Sei es der Hinweis, dass „die Jobkrise in Südeuropa perfekt zu unserem Fachkräftemangel“ passe oder sein Kommentar zu Mehdorns Ernennung zum Berliner Flughafenchef: „Bei solchen Nachrichten wird man als Satiriker nicht mehr gebraucht.“

Von Rolf-Dieter Diehl