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Celle Stadt Wolfswelpe bei Hetendorf überfahren
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wolfswelpe bei Hetendorf überfahren
18:49 21.10.2015
Im August wurden diese vier Wolfswelpen westlich von Eschede aufgenommen.  Quelle: Helge John
Celle Stadt

Bei Hetendorf ist am Freitag ein Wolf überfahren worden. Der Rüde ist vermutlich ein Welpe aus diesem Jahr, er dürfte etwa fünf Monate alt gewesen sein. Es ist der zweite Wolf, der in diesem Jahr dem Straßenverkehr im Landkreis zum Opfer fiel. Im Januar war an der Bundesstraße 191 zwischen Eschede und Hornshof ein toter Wolfsrüde gefunden worden. Bisher sind in Niedersachsen sechs Wölfe im Straßenverkehr getötet worden.

Der junge Wolf war am Freitagabend am Verbindungsweg zwischen Hetendorf und Widdernhausen entdeckt worden. Wolfsberater Jörg-Rüdiger Tilk erhielt einen Anruf von Britta Habbe, Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft, kümmerte sich vor Ort um die Dokumentation des Totfunds und sicherte das Tier. Er informierte das Veterinäramt des Landkreises, das tote Tier wurde anschließend nach Celle gebracht. In einer Kühltruhe wird es zurzeit zwischengelagert, morgen soll es von Mitarbeitern des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin abgeholt und dann untersucht werden.

Damit sei in diesem Fall so verfahren worden, wie es vor einiger Zeit mit allen Beteiligten abgesprochen wurde, sagte Landkreis-Sprecher Holger Harms. Für zu beprobendes Material, in diesem Fall einen ganzen Wolf, stehe im Veterinäramt eine Kühltruhe bereit.

Der Fundort des toten Jungwolfs deutet darauf hin, dass er zum Wietzendorfer Rudel gehört. Das sei aber nicht sicher, erst die genetische Untersuchung in Berlin könne Klarheit schaffen, sagte Tilk. Im August war erstmals durch Fotos nachgewiesen worden, dass sich im Raum Wietzendorf ein Rudel mit sechs Welpen niedergelassen hat. Die Herkunft der Elterntiere ist ebenfalls noch ungeklärt. In der vergangenen Woche waren in einem Gatter in Hetendorf mehrere Tiere eines Damwild-Rudels vermutlich von Wölfen gerissen worden.

In Sachsen, wo im Jahr 2000 die ersten nach Deutschland zurückgekehrten Wölfe Nachwuchs hatten, sind bisher 26 Tiere überfahren worden, davon vier von der Bahn. Die meisten waren Welpen oder Jungwölfe. In Brandenburg fielen bisher 28 Tiere dem Verkehr zum Opfer.

Unterdessen gibt es Hinweise auf ein weiteres Wolfsrudel im Landkreis. Kürzlich liefen zwei Tiere bei Aschauteiche in eine Fotofalle. Vermutlich zeigt das Bild einen Welpen und einen Altwolf. Wolfsberater Helge John hält es für unwahrscheinlich, dass es sich dabei um Tiere des Escheder Rudels handelt, die immer wieder südwestlich des Ortes beobachtet werden. Die Entfernung ist seiner Ansicht nach zu groß. Wahrscheinlicher ist, dass ein Wolfsrudel östlich oder nordöstlich des Ortes lebt. Darauf deuten mehrere Wildrisse im Bereich Dalle/Schelploh hin. Außerdem gab es im Frühjahr und jüngst im September mehrere Schnuckenrisse im Bereich Räderloh. Auch in diesem Bereich soll es Beobachtungen von Wolfswelpen geben.

Von Joachim Gries