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Celle Stadt Worte zu Taten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Worte zu Taten
23:08 23.02.2012
Celle Stadt

Die Bitte der Bundeskanzlerin um Entschuldigung. Der Wille Hunderter Ermittler, die unfassbaren Morde der Neonazi-Terrorzelle lückenlos aufzuklären. Ein für einen Augenblick innehaltendes Land. Ohne Zweifel: Gestern war ein wichtiger Tag für Deutschland. Nur: Worte machen Tote nicht wieder lebendig. Sie können Trost sein für deren Angehörige. Und: Worte allein werden nicht verhindern, dass sich so schlimme Verbrechen wiederholen.

Merkel hat recht: Aus Worten „können“ nicht nur Taten werden. Aus Worten „müssen“ sogar Taten werden. Und zwar nicht erst, wenn es fast zu spät ist. Guter Wille und Mut sind viel früher nötig: im Elternhaus, in der Schule, in der Gemeinde, in der Stadt – dort, wo junge Menschen leben und aufwachsen.

Kinder und Jugendliche, die um das menschenverachtende Wesen politischer Extremisten – egal ob von rechts oder von links – wissen, werden weniger schnell auf ideologisch verblendete Rattenfänger hereinfallen. In junge Menschen, vor allem in Teilen der neuen Bundesländer, muss investiert werden. Auch Geld. Jeder Sozialarbeiter, der beschäftigt wird, wenn er nötig ist, bringt eine gute Rendite, wenn er dazu beitragen kann, junge Menschen vor dem Abgleiten ins radikale Milieu zu bewahren. Ebenso dazu gehören Treffpunkte, die erhalten gehören und nicht geschlossen werden dürfen, weil das Geld fehlt.

Wer hier spart, der spart an der falschen Stelle. Die Folgen lassen sich später auch durch noch so viele Runde Tische und Arbeitskreise nicht wieder reparieren.

Von Hans-Jürgen Galisch