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Celle Stadt Wunder-Wahnsinn "Mann und Frau"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wunder-Wahnsinn "Mann und Frau"
18:48 29.10.2017
Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

„Männer, Frauen & andere Katastrophen“ heißt das Programm, in dem Poesie und Pantomime, Witz und Wahrheit, Musik und Mimik ein wundervolles Gewebe ergeben, wobei „jedes Kind erkennen kann, Frau reimt sich nicht auf Mann.“ Dabei geht es in dem irren Reigen aus Schuld und Sehnsucht, Begierde und Betrug nicht nur um den „kleinen Unterschied“. Thiele versteht es, ihr gewitzt-dramatisches Spiel zwischen all den Verwirrungen absurd-konträrer Kommunikation zu entwickeln und vor den Augen und Ohren der Zuschauer aufzubauen.

Kokett bezieht sie einige Herren der Runde mit ein, schlüpft mal in diese, mal in jene Rolle, mit Hut und Täschchen, als Clown oder pikant als Herr Tod. Freud- und leidvoll geht es zu im Liebes- und Seelenleben, in Romantik und Alltag von Frau und Mann. Alles durchwirkt die Frage, warum, wenn „sie nicht zusammenpassen, sie trotzdem können es nicht lassen.“ Wie nebenbei schwirren dann gesungene Allheilmittel herein: „Liebe geht nur, wenn du zu zweit so leben kannst wie allein.“ Doch kaum entzaubert der Mann Momente der Romantik, schnappt die Frau sich wieder Tasche und Hut, um ihr Glück anderswo zu suchen. Denn „wenn die Frau alleine ist, ist sie viel alleiner als ihr Männer.“ Und auf der Pirsch wirft sie ein: „Ja, mir gefällt schon mal ein Mann, aber ihr, ihr werft euch eben weg.“ Dieses Changieren der Gefühle macht das Programm stark. Das ist kein Pointen-Getiger, kein Unter-Gürtel-Niveau, sondern ein ehrliches Gedanken-Gedeck. Abwechslungsreich, kunstvoll und mit poetischer Würze versehen. Ringelnatz kommt mit dem „männlichen Briefmark“ ebenso wie Hesse und wie Schwitters mit seinem „An Anna Blume“ zu Wort. Trefflich bringt das Thema auch „Das fremde Wesen“ von den Wise Guys auf den Punkt. „Ich kenn’ ein solches Alien, das eine fremde Sprache spricht. Die klingt zwar fast genau wie uns‘re, doch versteh‘n kann man sie nicht ...“

Es ist das Schöne, das Versöhnliche des Stücks, es bleibt kein Hass und keine Destruktion zurück. Das Leben trägt den Sieg davon und startet täglich den Versuch von vorn. „Denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Und wie heißt es im Song: „Das fremde Wesen vom unendlich fernen Stern, das mir so unendlich fremd ist – ich hab‘s trotzdem einfach gern.“ Eine kluge Studie mit dramatischer Finesse, harmonischer Begleitung und dem gewissen Hauch Empfindsamkeit.

Von Aneka Schult-Fietz