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Celle Stadt Zahl der Celler Schuldner konstant hoch
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zahl der Celler Schuldner konstant hoch
15:27 11.07.2014
Raus aus den Schulden: Daniel Schott (links) und Jürgen Jahn helfen Betroffenen.  Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

871 Gespräche hat die Celler Caritas, die seit 2011 die Schuldnerberatung für die Stadt und den Landkreis Celle übernommen hat, im vergangenen Jahr geführt. Hinter dieser Zahl verbirgt sich das Schicksal von 263 Haushalten mit 520 Betroffenen – Ehepartner und Kinder inklusive. „Die Zahl ist seit längerem auf einem konstant hohen Niveau“, hat Caritas-Fachbereichsleiter Daniel Schott beobachtet.

In 50 Prozent der Fälle haben die Menschen unerwartet ihren Job verloren und sind in den „Schuldensumpf“ gerutscht. 40 Prozent der Menschen beziehen Arbeitslosengeld II – aber auch schwere Krankheiten, schlechter Umgang mit Geld und die Scheidung vom Ehepartner sind weitere Gründe für die Verschuldung. „Dann setzt eine Abwärtsspirale ein. Die Leute müssen plötzlich mit viel weniger Geld auskommen, wodurch man mancher Verpflichtung nicht mehr nachkommen kann“, sagt Berater Jürgen Jahn.

Den typischen Schuldner gebe es aber nicht. „Unsere Klienten kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten, rund die Hälfte kommt aus dem Mittelstand“, erläutert Jahn. Bei wirtschaftlich schlechter gestellten Menschen sei die Gefahr aber größer, in die Schuldenfalle zu rutschen. Besonders bei den über 60-Jährigen, die teilweise mit einer sehr geringen Rente leben müssen, hat die Caritas einen Anstieg festgestellt, so Jahn: „Das hat über die Jahre schon spürbar zugenommen – Stichwort Altersarmut. Doch die Scham vieler Menschen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist in diesem Alter besonders hoch.“

Generell fänden die Schuldner den Weg zur Beratungsstelle Am Bullenberg 6 meist zu spät, sagt Schott. Doch je früher die Schuldner kämen, desto besser könnten die Berater der Caritas mit den Gläubigern über einen Aufschub, Ratenzahlung oder Ähnliches verhandeln. Schott: „Wenn Strom oder Wasser einmal abgestellt sind, ist es zu spät. Wenn die Schuldner den Kopf in den Stand stecken, droht die Privatinsolvenz."

Beim Amtsgericht Celle sind im vergangenen Jahr 630 Anträge auf Privatinsolvenz eingereicht worden, im Vorjahr waren es 639. 3288 Verfahren, die in der Regel nach sechs bis sieben Jahren beendet sind, laufen derzeit noch. „Da haben wir seit Jahren eine konstante Zahl, da gibt es keine dramatische Verschlechterung oder Verbesserung“, sagt Günter Busche, Direktor des Amtsgerichts.

Die Schuldnerberatung der Caritas, die eng mit anderen Diensten wie der allgemeinen Lebensberatungsstelle vernetzt ist, zielt weit mehr als nur auf eine reine Schuldnerberatung ab – die soziale Komponente spielt eine wichtige Rolle. „Wichtig ist, dass wir der Wurzel des Problems auf den Grund gehen“, sagt Schott. Der erste Schritt sei, Wege zu finden, um keine neuen Schulden zu machen – erst danach kümmere man sich um die derzeitigen Verpflichtungen.

Von der Politik wünscht sich Schott mehr Geld für die Finanzierung einer breiteren Personaldecke, um die komplexen Fälle bewältigen zu können. „Viele Familien benötigen eine längerfristige Beratung, die in der derzeitigen Finanzierung nicht vorgesehen ist“, so Schott. Je Schuldner in der Verbraucherinsolvenz gewährt das Land Niedersachsen einen pauschalen Förderbetrag, der von der Anzahl der jeweiligen Gläubiger abhängt. Wenn der Betrag nicht ausreicht, bleibt die Caritas auf den restlichen Kosten sitzen.

Von Kai Knoche