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Celle Stadt Zeit für Klassik: Braunschweiger Staatsorchester mit Gastsolist Bernd Glemser
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zeit für Klassik: Braunschweiger Staatsorchester mit Gastsolist Bernd Glemser
14:18 29.09.2016
Das Braunschweiger Staatsorchesters bei seinem Konzert in der Congress Union. Quelle: Michael Schäfer
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Schaller wiederum lockte mit würdevoll ausholender Sensibilität Präzision und Liebe zum Detail aus dem Orchester, ohne die dramatischen Aspekte der Musik aus den Augen zu verlieren. Die Unmittelbarkeit dieser Interpretation zu erleben, in der sich stupende Leichtigkeit mit bedachtsamer Durchgestaltung verband, war ein Genuss.

Glemser brachte die musikalische Substanz des Konzertes zum Schwingen – fulminant, technisch souverän und mit – im wahrsten Wortsinn – viel Fingerspitzengefühl. Seine akzentuierte, fesselnde Spielweise, die meisterhafte Ausleuchtung der poetischen Seite dieses Werkes, aber auch das spielerische „Aufbegehren“ der linken Hand dagegen, „nur“ Begleitung zu sein, das wirkte ungemein frisch. Dabei klang all das, was Glemser aus diesem Werk herauszauberte, so faszinierend selbstverständlich. Innig und bewegt das „Andante con moto“, das „Vivace“ wiederum unbekümmert, musikalisch genial und – man kann es nicht trefflicher formulieren – so „richtig schön vivace“. Ein buchstäblich zupackendes Tastenspiel.

Die zweite Hälfte des Konzertabends gehörte Beethovens 8. Sinfonie. Schallers Interpretation war durchstrukturiert und akzentuiert. Er kombinierte die Vorzüge traditioneller dramatisch-geschärfter und schroffer Beethoven-Lesarten mit stechender Attacke und motorischem Drive zu einem unglaublich spannenden, gestisch durchgeformten, dabei stets luftig-lockeren Klanggeschehen. Doch vernahm man in diesem bestrickenden Bad des Wohlklangs immer auch das feuerköpfige Aufbegehren des freigeistigen Komponisten. Und in dieser gelungenen Symbiose aus romantisierender Tiefgründelei und pointierter Überraschungsdynamik ließ er auch ein Mindestmaß an Gefühlswärme und Überschwänglichkeit nicht vermissen und wusste so nicht nur den Kopf, sondern auch das Herz zu überzeugen.

Von Rolf-Dieter Diehl