Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Zeitzeuge berichtet vom Leben als Jude in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zeitzeuge berichtet vom Leben als Jude in Celle
15:53 07.12.2018
In Celle geboren und als Jude in die Niederlande geflüchtet: der heute 94-jährige Kurt Roberg erzählt an Celler Schulen über sein Leben. Quelle: Birgit Stephani
Celle

„Und rede nur, wenn man dich etwas fragt“, gab ihm seine Mutter einst mit auf den Weg, wohl wissend, dass ihr Sohn gerne und viel erzählt. Was zu Zeiten der Nazis in Deutschland sein sicherer Tod hätte sein können, ist heute ein großes Glück. Die Rede ist von Kurt Roberg, heute 94 Jahre alt und einer der wenigen Zeitzeugen, die den Holocaust überlebt haben. Zurzeit ist er auf Besuch in seiner alten Heimat und besucht Celler Schulen, um der Jugend von heute über sein Leben und Überleben zu erzählen.

Zu Besuch am Hermann-Billung-Gymnasium

Am Donnerstag war er zu Besuch im Hermann-Billung-Gymnasium, nachdem er am Mittwoch die Paul-Klee-Schule besuchte. Der Besuch am HBG allerdings könnte nicht besser in seine Lebensgeschichte passen, denn einst war er selbst Schüler an der Mittelschule am Südwall. Dort, wo heute ein Hotel steht, stand eins die Hermann-Billung-Schule, im Grunde also der Vorgänger des HBG. Dort war es auch, wo Roberg in die Kriegswirren geriet und am eigenen Leib erfahren musste, was es bedeutet, Jude zu sein.

Als jüdischer Schüler war es schwer

Jüdischen Schülern wurde es damals verboten, deutsche Schulen zu besuchen. Für sie wurden eigene Schulen eingerichtet. In Celle allerdings gab es nur fünf jüdische Schüler und somit wurde es Roberg weiter erlaubt, die Schule zu besuchen. Dort erfuhr er auch, dass es Menschen gibt, die sich einem Regime nicht einfach fügen. Sein Klassenlehrer war so ein Mensch. Offiziell durfte Roberg als Jude an nichts im schulischen Alltag wirklich teilnehmen. Sein Lehrer allerdings war es, der ihm das Schulleben doch noch angenehm gestaltete. „Nicht jeder war ein Nazi“, lautet heute seine Einschätzung, „es gab auch die, die Courage bewiesen.“

Flucht in die Niederlande

Doch wie die Geschichte zeigte, sollte es für Juden immer schwieriger werden, in Deutschland zu leben und zu überleben. Es folgte die Flucht der Familie in die Niederlande und von dort nach Amerika. Allerdings nicht für Kurt Roberg. Die Plätze waren begrenzt, und so fiel die Entscheidung der Eltern, zusammen mit dem älteren Sohn in die USA auszureisen. Der kleine Kurt blieb bei seinem Onkel im damals relativ sicheren Holland.

Am Ende landete er in den USA

Anschaulich und teils weit ausholend schildert Roberg nun seine Zeit in den Niederlanden und den späteren Versuch, in die USA zu seiner Familie zu gelangen. Es sollte eine Reise voller Ungewissheit werden, die letztlich aber doch ein glückliches Ende in den USA fand.

Er erlebte Zwangsarbeit

Bis es dazu kam, geriet er im Mai 1940 nach dem Einmarsch der Deutschen in die Niederlande kurzzeitig in die Internierung und schaffte es im März 1941 mit einem Kindertransport nach Berlin, wo er bis Mai Zwangsarbeit in der Villa am Wannsee leisten musste. Schließlich gelang ihm über Lissabon die Emigration in die USA, wo er auch heute noch lebt.

In Büchern berichtet er

Über seine Erlebnisse hat er zwei Bücher geschrieben. Das auf deutsch geschriebene Buch „Zwischen Ziegeninsel und Stadtgraben“ beschreibt sein Leben in Celle. Auf Englisch erschienen ist das Buch „A Visa or Your Life“. Heute sagt Roberg, er habe niemals Angst vor den Nazis gehabt, „aber Respekt, man musste sich in Acht nehmen“.

Mahnung an spätere Generation

Respekt muss man auch vor ihm haben. Respekt dafür, dass er es sich zur Aufgabe gemacht hat, von den Geschehnissen zu sprechen und sie als Mahnung an die späteren Generationen weiterzugeben. Und trotz seines hohen Alters hat er nicht vor, damit aufzuhören, und sagt selbst: „Ich bin ja erst 94.“

Zeitzeugenbericht fesselt

Die Schüler des HBG hingen gebannt an seinen Lippen und lauschten den Erzählungen äußerst aufmerksam. Immerhin gehören sie zu den Menschen, denen es noch vergönnt ist, direkt von Überlebenden zu erfahren, was damals wirklich geschehen ist. Und wenn heute gesagt wird, die Menschen hätten nicht gewusst von dem, was da vor sich ging, widerspricht Roberg entschieden: „Jeder wusste von den Konzentrationslagern.“

Rückkehr nach Celle

Heute kann Roberg ohne Beklemmungen nach Deutschland kommen. Das war direkt nach dem Krieg anders. Und doch reiste er im April 1952 erstmals zurück nach Celle, der Stadt, die auch heute noch ein Stückchen Heimat für ihn ist.

Von Birgit Stephani

Herz außer Takt“ lautete das Motto der Herzwochen der Deutschen Herzstiftung. Experten beantworten die häufigsten Fragen.

07.12.2018

Mit Marquess und Markus hat die Lobetalarbeit für ihr Open-Air-Konzert im kommenden Jahr zwei Top-Acts verpflichtet.

Gunther Meinrenken 07.12.2018

Auch wenn immer wieder über fehlende WCs gemeckert wird: In Celle gibt es genug öffentliche Toiletten. Zu diesem Schluss ist die Ratspolitik gelangt.

Michael Ende 07.12.2018