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Celle Stadt Zinsen, Glück und Korruption
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zinsen, Glück und Korruption
18:45 30.03.2012
Von Gunther Meinrenken
Sonderveranstaltung im Rahmen der Ausstellung in der Gotischen Halle Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

So wurden die Gäste des Künstlergesprächs in der Gotischen Halle am Donnerstagabend auch nicht enttäuscht, als das Künstlerpaar Lotte Lindner und Till Steinbrenner mit dem Gründer der Rossmann-Drogerien, Dirk Roßmann, Celles Superintendent Hans-Georg Sundermann und Celles Sparkassen-Chef Axel Lohöfener diskutierten. Dass es am Ende auch ein recht vergnüglicher Abend wurde, lag vor allem daran, dass mit Roßmann ein Millionär in der Runde saß, der ein starkes soziales Verantwortungsgefühl verspürt und auch danach handelt.

Roßmann ist ehrgeizig. In jungen Jahren hat er die elterliche Drogerie in Hannover übernommen. 1972, nach Aufhebung der Preisbindung für Drogerieartikel, schuf er den ersten Drogerie-Markt mit Selbstbedienung. „Das war unglaublich erfolgreich. Wenn man gut ist, kommen die Leute automatisch zu einem. Da muss man wachsen“, beantwortete er den Einwurf von Lindner, warum man sich immer weiter ausbreiten müsse. Dabei streifte er auch die aktuelle Schlecker-Insolvenz. „In den 90er Jahren ging es uns schlecht, aber wir haben uns verändert. Schlecker hat sich in den letzten Jahren gar nicht verändert. Die anderen sind besser.“ Eine Firma, die sich nicht in einem ständigen Erneuerungs- und Wachstumsprozess befinde, sei dem Untergang geweiht.

Reich zu sein, viel Geld zu verdienen, sei eigentlich nicht das Problem, befand Roßmann. Es komme darauf an, was man daraus mache. „Ein guter Mensch zu sein, ist wichtig. Es ist ganz schlimm, wenn die Leute ihr Geld in die Schweiz tragen, statt hier Steuern zu zahlen“, so Roßmann, dem die anderen Gesprächspartner nur schwer beikamen.

Steinbrenner versuchte es mit dem biblischen Zinsverbot. Sundermann sprang darauf an. „Das kapitalistische System ist ohne Zinsen nicht denkbar. Aber wenn man sieht, was das weltweit angerichtet hat, ist es doch sehr fragwürdig“, sagte der Superintendent. So seien die Zinsen, die die Länder in der 3. Welt drückten, höher als die Entwicklungshilfe. Auch hier wusste Roßmann eine Antwort. Das Problem liege nicht an den Zinsen, sondern an den korrupten Politikern in diesen Ländern, die sich die Taschen vollstopften.

Und Lohöfener unterstützte ihn: „Problematisch wird es erst, wenn sich der Staat zu viele Zinsen aufgehalst hat.“ Das habe, siehe Griechenland, zur jetzigen Staatsschuldenkrise geführt. Deswegen müssten die, die schlechter wirtschaften, höhere Zinsen zahlen. „Aber die, die es verursacht haben, zahlen es doch gar nicht mehr“, warf Lindner ein. Und auch Sundermann kam noch einmal auf die Entwicklungsländer zurück. „Wir leben auf diesem Level auf Kosten anderer, weil es anderen Menschen auf der Welt schlecht geht.“ Als ausgleichende Gerechtigkeit empfinde er es da, dass diese Menschen ebenso in der Lage seien, glücklich zu sein.

Nicht jede Frage wurde ausdiskutiert. Mit Absicht. „Ich würde mich freuen, wenn man noch eine Frage, die nicht beantwortet wurde, mitnimmt und sich auch ein wenig darüber ärgert“, meinte Steinbrenner am Ende zu den etwa 60 Gästen der Veranstaltung. Doch diesen Gefallen dürften ihm die wenigsten Besucher nach dem gelungenen Abend gemacht haben.