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Celle Stadt Zukunft von Baker Hughes und Halliburton: "Erfolgsgeschichte fortschreiben"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zukunft von Baker Hughes und Halliburton: "Erfolgsgeschichte fortschreiben"
07:31 24.11.2014
Von Oliver Gatz
Arbeitgeber für rund 1500 Menschen: Baker Hughes in Celle. Quelle: Thomas Brandt (Archiv)
Celle Stadt

Die geplante Fusion der Öl-Giganten Halliburton und Baker Hughes wirft viele Fragen auf und könnte gravierende Auswirkungen auf die Celler Serviceindustrie haben. Mit dem angekündigten Zusammenschluss, der in der zweiten Jahreshälfte 2015 abgeschlossen sein soll, erhofft sich das Management Einsparungen in Höhe von fast zwei Milliarden Dollar pro Jahr. Doch wo wird letztlich der Rotstift angesetzt? Bleiben beide Niederlassungen in Celle erhalten? Was passiert mit den Arbeitsplätzen? All das ist offen.

Die Landespolitik übt sich in Zweckoptimismus. Sowohl Baker Hughes als auch Halliburton seien tragende Säulen der Erdölzulieferindustrie in Celle, sagt CDU-Landtagsabgeordneter Thomas Adasch. „Von der Übernahme erhoffe ich mir eine Stärkung und keine Schwächung des hiesigen Standortes.“ Das Land habe Baker Hughes mit erheblichen Investitionsmitteln unterstützt. Insofern erwarte er einen vollständigen Erhalt der Arbeitsplätze und des Know-hows vor Ort, betont Adasch. „Als einem der größten Arbeitgeber der Region Celle wünsche ich mir zudem von den neuen Verantwortlichen im Hinblick auf ihre weiteren Pläne einen von Anfang an offenen und ehrlichen Umgang mit den Mitarbeitern.“

Ähnlich sind die Erwartungen des SPD-Landtagskollegen Maximilian Schmidt. „Der Standort von Baker Hughes in Celle hat nicht nur lange Tradition, sondern ist für die Stadt auch unverzichtbar“, sagt er. Baker sei als Arbeitgeber mit mehr als 1350 hochqualifizierten Fachkräften einer der stärksten wirtschaftlichen Motoren in der gesamten Region. Viele weitere Jobs hingen bei Zulieferern dran. „Entscheidend ist, dass diese Arbeitsplätze erhalten bleiben und die Kollegen eine sichere Perspektive haben“, mahnt der SPD-Abgeordnete.

Er sei sich sicher, dass das in Celle vorhandene Fachwissen und die Spitzentechnologie von Baker Hughes auch für Halliburton „ein Riesenpfund“ sein müssten, meint Schmidt – und verweist ebenfalls auf die zahlreichen Fördermaßnahmen des Landes, zuletzt die 1,1 Millionen Euro Zuschuss für das neue Zentrum für Hochleistungselektronik. „Wir hoffen, dass auch Halliburton diese Erfolgsgeschichte fortschreibt.“

Branchenkenner sind optimistisch, dass beide Firmenstandorte nicht der Fusion zum Opfer fallen. Der Grund: Anders als im Ausland besteht in Celle – wie auch in ganz Deutschland – keine Konkurrenzsituation. Die hiesigen Niederlassungen würden sich mit ihren Serviceleistungen für die Erdöl- und Erdgasindustrie ergänzen. „Wir hoffen, dass eine Verschmelzung der beiden Unternehmen an den beiden Standorten in Celle keine große personelle Auswirkung haben wird, weil auch die Aufgabenbereiche beider Firmen nicht im Wettbewerb stehen“, erläutert Udo Großmann, Leiter der Bohrmeisterschule in Celle, die enge Kontakte zu beiden Firmen pflegt.

So verfügt Baker Hughes über einzigartige Kompetenzen im Horizontalbohren, während Halliburton in Celle nach Angaben von Experten auf „Zementationsarbeiten“ spezialisiert ist, also den Einbau von Rohren in einer Bohrung. Außerdem widmet sich Halliburton der sogenannten Säuerung. Dabei werden mit speziellen Flüssigkeiten zum Beispiel Kalk und Kreide gelöst, damit das Öl besser fließen kann. Insidern zufolge betreibt Halliburton auch im großen Stil das umstrittene Fracking, mit dem das Unternehmen in den vergangenen Jahren in den USA viel Geld verdient hat.

„Sollte Halliburton Baker Hughes übernehmen, wird es kaum Überschneidungen bei Produkten geben, sondern vornehmlich Ergänzungen“, meint auch Uwe Stoffregen, Sprecher des IG Metall-Bezirks Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Die Gewerkschaft will sich für den Erhalt der Arbeitsplätze an beiden Celler Standorten stark machen. Baker ist dabei eine große Nummer. Das Unternehmen steht mit seinen rund 1200 organisierten Mitgliedern noch vor den bekannten Unternehmen Sennheiser und Miele.

In der Hoffnung auf eine große Fracking-Revolution in Deutschland habe Halliburton die hier vorhandene Ausrüstung vor Jahren für mehrere Millionen Euro modernisiert, heißt es. Angesichts der massiven Widerstände gegen die umstrittene Fördermethode und der vielen rechtlichen Hindernisse könnte sich die Nummer zwei der US-Ölriesen allerdings genervt zurückziehen, befürchten Experten – mit Folgen für den Celler Standort. Das wäre dann aber ein über Jahre dauernder Prozess. „So ein Werk macht man nicht von heute auf morgen dicht“, sagt ein Branchenkenner.

Die Hoffnungen zum Erhalt der beiden Standorte ruhen auch auf der Tatsache, dass Celle quasi der europäische „Supermarkt“ für die Erdöl- und Erdgasindustrie ist. Hier finden die großen Konzerne alles an Technik und Dienstleistungen, was sie für ihre Förderprojekte benötigen. Großes Herumreisen ist nicht nötig. Diesen Vorteil könnte auch Halliburton im Blick haben, wenn es letztlich darum geht, den einen oder anderen Standort dem Sparzwang zu opfern.