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Celle Stadt Zur Abschaffung der Schulnoten an Celler Grundschule: "Später schmerzliches Erwachen"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zur Abschaffung der Schulnoten an Celler Grundschule: "Später schmerzliches Erwachen"
17:14 27.12.2016
Am 27. Januar werden die 80 Drittklässler an der Grundschule Hehlentor ihre neuen Halbjahreszeugnisse mit Kompetenzrastern nach Hause bringen. Als Konsequenz des jahrgangsübergreifenden Lernens werden nun die Noten abgeschafft. Quelle: Ina Fassbender
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Bereits vor der wichtigen Gesamtkonferenz hat sich die Grundschule Hehlentor zusammen mit Vertretern der weiterführenden Schulen zusammengesetzt und die Folgen der Abschaffung beraten. So sagt Unterstufenkoordinatorin Brigitte Dannhauser vom Hölty-Gymnasium: "Meine langjährige Erfahrung im Übergang zwischen den Schulformen hat mir gezeigt, dass konkrete Aussagen zu den Kompetenzen der Schüler in den einzelnen Fächern eine gute Basis für die Beratung der Eltern darstellen." Es könne recht sicher abgeschätzt werden, ob das betreffende Kind mit den Anforderungen eines Gymnasiums zurechtkomme.

In der Regel stammten die Kinder von 20 Grundschulen. Da sich die Zusammensetzung der Schüler in den Einzugsgebieten unterscheide, falle auch die Wertigkeit der Noten unterschiedlich aus. "Ich sehe ich keine Nachteile in den Kompetenzrasterzeugnissen, sofern zu den für den Übergang relevanten Fächern Deutsch, Mathematik und Sachunterricht konkrete Aussage zu Fähig- und Fertigkeiten gemacht werden“, so Dannhauser.

Johannes Habekost ist Schulleiter vom Gymnasium Ernestinum. Er findet: "Für Beratungsgespräche vor der Anmeldung am Gymnasium können die Kompetenzrasterzeugnisse nach einer gewissen Eingewöhnung aller Beteiligten durchaus eine geeignete, aussagefähige Beratungsgrundlage bilden." Der Zeitaufwand sei sicher etwas höher als bei Notenzeugnissen. Doch diese würden ebenfalls durch Kompetenzaussagen in den Protokollen der verbindlichen Beratungsgespräche der Grundschule flankiert.

Torsten Neumann aus Hermannsburg ist stellvertretender Landesvorsitzender des Verbandes Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL) und kritisiert die Abschaffung der Noten an der Grundschule Hehlentor: "Die Problematik solcher alternativen Zeugnisse liegt in der Sprache, die dort verwendet wird. Wir denken, dass es zu vielen Missverständnissen kommen wird und die Eltern zurecht nach einer ,Note' fragen werden."

Es sei ein vermeintlich hehres Ziel, durch die Abschaffung von Noten den Druck auf die Schüler mindern zu können: "Nur werden sie entweder auf den weiterführenden Schulen ab Klasse 5 zensiert oder aber ab Klasse 8 auf der IGS. Spätestens dann erleben einige ein schmerzliches Erwachen."

An den Grundschulen werde viel Mehrarbeit auf die Kollegen zukommen, sagt Neumann. "Selbst die herkömmlichen Berichtszeugnisse sind sehr aufwendig. Die Kompetenzraster müssen entsprechend ausgewertet werden und in den Konferenzen besprochen werden."

Durch den Wegfall der Laufbahnempfehlung sei den weiterführenden Schulen schon ein Instrument der Klassenfindung genommen worden, erklärt Neumann. Durch ein Kompetenzraster-Zeugnis lasse sich nicht sofort erkennen, wie leistungsstark ein Schüler sei. "Keine weiterführende Schule hat die Zeit bei der Klassenbildung alle sieben Seiten des Zeugnisses zu lesen, um im Anschluss möglichst gleich große und gleich starke Klassen zu bilden", betont Neumann.

Der Verband bezweifle, dass die Kollegen beim jahrgangsübergreifenden Lernen motivierter seien. "Es gibt viele Grundschulen, die große Klassen haben mit immer problematischeren Schülern, Flüchtlingskindern und Inklusionskindern. In solchen Jahrgängen ist jahrgangsübergreifender Unterricht oftmals unmöglich. Die Kollegen können den Kindern nicht gerecht werden."

Von Dagny Rößler