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Celle Stadt Zwangsverheiratete in Celle brauchen langfristige Betreuung
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zwangsverheiratete in Celle brauchen langfristige Betreuung
16:10 28.10.2016
Quelle: Wolfram Steinberg
Celle Stadt

Der Anteil der Frauen und Mädchen lag im Jahr 2015 bei 87 Prozent. Gut die Hälfte der Ratsuchenden besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit, fast ein Drittel leben mit einem prekären Aufenthaltsstatus und gut ein Fünftel hat einen gesicherten Aufenthaltstitel. „Vermehrt kommen auch Anfragen aus der Stadt Celle“, betont die Mitarbeiterin.

Aus dem Anonymen Frauenhaus Celle heißt es: „Als Institution, die mit von Gewalt bedrohten und betroffenen Frauen arbeitet, haben wir mit dem Thema Zwangsehen im Raum Celle leider wiederkehrende Erfahrungen. Betroffene Frauen wenden sich an unsere Beratungsstelle FeroXia oder direkt an das Frauenhaus Celle, um Rat und Unterstützung zu erhalten. In den meisten Fällen ist es uns möglich, den Frauen weiterzuhelfen und einen Ausweg mit einer neuen Perspektive zu schaffen.“ Einen Anstieg der Beratungen und der direkten Fälle konnte in diesem Jahr nicht festgestellt werden, dieser wird jedoch für die nächsten Jahre erwartet. Vor allem geflüchtete Frauen aus Syrien müssen im deutschen System erst einmal ankommen, bevor diese den Weg in die Beratungsstellen und Frauenhäuser finden, um hier Hilfe zu erfragen.

In der bedrohlichen Situation ist Anonymität die höchste Maxime. Die jungen Frauen oder Männer können daher europaweit in Sicherheit gebracht werden. Insgesamt gibt es deutschlandweit acht Schutzeinrichtungen für Frauen, denen eine Zwangsheirat droht oder die sich aus einer Zwangsehe befreien möchten. „Aus Sicherheitsgründen wird auch der Ort des niedersächsischen Schutzhauses, in dem acht Frauen untergebracht werden können, nicht genannt“, so kargah. Bedarf gibt es auch für Männer oder Paare, die sich gegen den Willen der Familie gefunden habe. Für diese Gruppen stehen noch keine Schutzhäuser zur Verfügung. Auch insgesamt fehlen Schutzplätze.

Auch im Haus der Familie vom Paritätischen Wohlfahrtsverband können Betroffene Hilfe finden: Im Frauen- und Kinderschutzhaus, in der Beratungs- und Interventionsstelle (BISS) und der Schwangerschaftskonfliktberatung. „In allen drei Bereichen haben wir mit dem Thema Zwangsheirat zu tun“, berichtet Dagmar Wendland. Meist suchten die Betroffenen in Wellen das Haus der Familie auf. „Wenn eine Frau den Weg zu uns findet und ihr hier geholfen werden kann, spricht sich das oft in der Gemeinschaft herum und es kommen noch mehr Frauen.“

Von Dagny Rößler