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Celle Stadt Zwei Celler feiern 50-jähriges Arbeitsjubiläum
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zwei Celler feiern 50-jähriges Arbeitsjubiläum
08:34 01.04.2016
Karl-Heinz Lüßmann
Celle Stadt

Als Karl-Heinz Lüßmann im April 1966 seine Lehre im Ingenieurbüro Reichenbach als Bauzeichner begann, erstellte er noch alle Zeichnungen auf Transparentpapier. Am Zeichentisch fertigte er diese mit der Zeichenmaschine an und beschriftete alles mit der erlernten Normschrift frei mit der Hand. Später kamen die ersten Schrift- und Symbolschablonen dazu. Wenn er Pläne damals vervielfältigen wollte, nutzte er eine Pausmaschine. Dazu gehörte es, den lichtempfindlichen Papierbogen in ein Salmiak-Dampfbad zu legen.

Doch auch schon früh stellte Lüßmann fest: "Ich bin lieber draußen auf der Baustelle. Nur am Zeichentisch zu sitzen, ist nicht mein Ding." Damals ging die Erschließung von Kanälen in Celle noch etwas persönlicher zu. "Man hat sich zusammen auf der Baustelle getroffen", erzählt der heute 65-Jährige. Die beteiligten Ämter der Kommune, Baufirmen, Anlieger und Naturschützer kamen zusammen, um das Vorgehen gemeinsam zu besprechen. "Durch das freundschaftliche Miteinander hatte man schnell eine Vertrauensbasis gefunden", so Lüßmann. Heute lernen sich die Beteiligten kaum persönlich kennen, kommunizieren vor allem über das Telefon und über E-Mails.

Lüßmann hat in seinen 50 Arbeitsjahren nicht nur mitbekommen, wie sich seit Mitte der 1990er Jahre der Computer nach und nach durchsetzte. Der Garßener hat auch miterlebt, wie sich das Unternehmen veränderte. Zu Beginn seines Arbeitslebens lernten Lüßmann noch drei Mitarbeiter an – unter dem Dach von Baumeister Herbert Reichenbach in Lachtehausen. Heute kommt die Ingenieursgesellschaft Heidt & Peters auf insgesamt 60 Mitarbeiter am Standort Celle an der Sprengerstraße und zehn Mitarbeiter in Bad Bevensen. Viele jüngere Kollegen sind am Computer schneller und besser als Lüßmann. "Doch das Aufmaßen vor Ort kann keiner so gut wie er", sagt Geschäftsführerin Susanne Heidt-Uzar.

Aufgrund seiner großen Erfahrung macht sich Lüßmann auf jeder neuen Baustelle erst einmal in Ruhe ein Bild und gibt sein Wissen an die jüngeren Mitarbeiter weiter. "Im Laufe der Zeit hat Herr Lüßmann unglaublich viel gesehen. Er hat ein Blick und Gespür dafür, was möglich ist und was nicht", ergänzt Heidt-Uzar. Im Büro wird er von anderen gerne um viel Rat und Hilfe gefragt. Und auch die Kollegen lässt er nicht außer Acht. Er ist für jeden Spaß zu haben: Betriebsfußball, Badmintongruppe und Feierabendbierchen. Die Firma unterstützte Lüßmann auch in schwierigen Zeiten. "Er war der erste alleinerziehende Vater im Büro, der schon in den 1970er Jahren seine Arbeitszeit familienfreundlich gestalten musste", betont Heidt-Uzar. "Das war ein wahnsinniges Entgegenkommen", sagt er heute.

Für Lüßmann ist auch mit 65 Jahren nicht an den wohlverdienten Ruhestand zu denken: "Solange die Gesundheit mitmacht und ich Spaß an der Arbeit habe." Wenn er jetzt aufhören müsste, würde ihm etwas fehlen. "Der Beruf ist mein Leben", sagt er.

NEUENHÄUSEN. Das Gesicht von Detlev Doering kennen viele Leute. Vor genau 50 Jahren hat er bei der Itag seine Ausbildung zum Industriekaufmann angefangen. Seit 27 Jahren ist er dort der Personalleiter. "Mit allen Höhen und Tiefen", wie Doering selbst sagt. Außerdem prüfte er bei der Industrie- und Handelskammer in vier Jahrzehnten rund 1600 Lehrlinge. Im Juli noch ehrte ihn das Celler Schützenwesen für seine 40-jährige Mitgliedschaft im Schafferrat.

Detlev Doering: "Das mache ich noch zu Ende"

Doering kann sich noch gut daran erinnern, wie er zur Itag kam. Er hatte drei Bewerbungen geschrieben: Für Trüller, Mobil Oil und die Itag. Ohne seine Eltern machte sich der 16-Jährige auf den Weg und wollte seine Bewerbung persönlich abgeben. "Ich wurde direkt zum Personalleiter durchgeschickt und wartete erst einmal eine Dreiviertelstunde", erzählt er. Als er fast schon wieder gehen wollte, wurde er ins Büro gebeten: "Nach einem 15-Minuten-Gespräch hatte ich sofort die Zusage."

Die vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten, zum Beispiel auch beim Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung, seien oft sehr zeitraubend gewesen, aber auch das "Salz in der Suppe", so Doering. Ihm machte das Mitgestalten und Netzwerken Spaß, dadurch behielt er stets den Überblick. Zum Ausgleich dienten nicht nur der Schießsport, sondern auch Urlaube an der Nordsee. Im Moment ist er dabei, seiner ältesten Enkelin das Schachspielen beizubringen.

Ganz abschalten falle Doering schwer – als Personalleiter von 336 Mitarbeitern. Mehr als 100 Kollegen musste er in der aktuellen Krise entlassen. Hinter jedem stehe ein Einzelschicksal. "Mehrere Familien arbeiten über mehrere Generationen bei uns", betont er. Auch mit 66 Jahren will er die Itag noch durch "das schlechte Fahrwasser" bringen. "Wenn es für die Bohrbranche wieder etwas Hoffnung gibt, kann ich ruhiger nach Hause gehen", betont Doering. "Das mache ich noch zu Ende."

Von Dagny Rößler