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Celle Stadt Zwei Förderschulen im Kreis Celle vor dem Aus
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zwei Förderschulen im Kreis Celle vor dem Aus
19:05 21.10.2015
Von Simon Ziegler
Landkreis will Förderschulen in Winsen und Wathlingen schließen. Die Schule in Wathlingen. Vor beiden Schulen war kein Namenssschild angebracht. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle

Eine Schulgesetznovelle der Landesregierung könnte starke Auswirkungen auf den Landkreis Celle haben. Nach der Entscheidung von Rot-Grün in Hannover, die Förderschulen Lernen auslaufen zu lassen, müssen möglicherweise zwei Einrichtungen im Landkreis Celle geschlossen werden: die Janusz-Korczak-Schule in Wathlingen und die Astrid-Lindgren-Schule in Winsen.

Der Landkreis Celle schlägt vor, beide Einrichtungen bereits zum kommenden Schuljahr zu schließen, wie Kreisschulamtsleiter Reinhard Toboll der CZ bestätigte. Er verweist zwar darauf, dass diverse Schulgremien noch um eine Stellungnahme gebeten werden, ehe das Thema im politischen Raum beraten wird. Doch die Landesschulbehörde hat sich bereits positioniert. Sie teilt die Auffassung des Landkreises, wonach die beiden Schulen für einen vernünftigen Unterricht zu klein seien.

Die Janusz-Korczak-Schule besuchen derzeit in den Jahrgängen 4 bis 9 nur noch 45 Kinder und Jugendliche. Noch weniger sind es in Winsen: An der Astrid-Lindgren-Schule werden derzeit gerade mal 37 Schüler unterrichtet. An beiden Häusern werden Kinder verschiedener Jahrgänge bereits gemeinsam beschult. Weiteres Problem an kleinen Schulen: Fällt ein Lehrer aus, gibt es kaum Vertretungsunterricht.

Die rot-grüne Landesregierung hatte entschieden, dass die Schüler, die bislang auf eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernschwäche gingen, nach dem Primarbereich auch im Sekundarbereich inklusiv beschult werden. Das heißt, sie müssen eine reguläre Schule – also Oberschule oder Gesamtschule – besuchen. Wahlfreiheit haben die Eltern nicht.

Die Schüler sollen aber an der gewählten Schulform ihren Abschluss machen können. Deshalb werden die vier Einrichtungen Pestalozzischule, Erich-Kästner-Schule, Astrid-Lindgren-Schule und Janusz-Korczak-Schule auslaufend beschult, es werden also keine Kinder mehr eingeschult. In einem zweiten Schritt könnten die Schüler dieser vier Einrichtungen alle an der Pestalozzischule in Celle unterrichtet werden. Das hieße, dass auch die Erich-Kästner-Schule in Garßen geschlossen wird, womöglich 2017. An der Pestalozzischule gibt es genügend Platz für die verbliebenen Schüler der vier Einrichtungen. 2022 könnte dann auch dort endgültig Schluss sein.

Förderschulen gibt es neben dem Schwerpunkt Lernen auch in den Bereichen Sprachen, Körperlich-Motorische Entwicklung sowie Geistige Entwicklung. Nur die Förderschulen Lernen stehen zur Disposition. Für die anderen gilt, dass Eltern Wahlfreiheit haben, Kinder also eine Förder- oder eine Regelschule besuchen können.

Die mögliche Schließung der Förderschulen in Wathlingen und Winsen ist aber noch nicht beschlossen. Widerstand kommt unter anderem von Wathlingens Bürgermeister Torsten Harms. „Es gibt keine Alternative zu den Förderschulen Lernen, um Schüler begabungsgerecht zu fördern. Die Inklusion ist ein Irrweg", sagte er. Harms kündigte an, dass sich die CDU-Kreistagsfraktion für die Förderschulen einsetzen wird. „Aus meiner Sicht wäre die Umwandlung der örtlich vernetzten Förderschulen in Sonderpädagogische Lernzentren – auch unter dem Dach der Oberschulen – der richtige Weg", erklärte Harms.