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Celle Stadt Zwei Franken für alle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zwei Franken für alle
16:42 01.02.2012
Heissmann & Rassau - Zwei Franken Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

Wieder wird es nichts mit der Aufführung des Kinderstücks. Albert, der Adler, und Sonjo, der Stier, müssen die Bühne wieder räumen. Das Publikum taugt nicht fürs Kindertheater. Es ist zu alt. Ein Conférencier muss her. Flugs verwandelt sich Albert, der Adler, in einen überaus charmanten Moderator. Bekleidet mit einer zum Sakko umgeschneiderten rotweiß karierten Tischdecke, wie wir sie ausschließlich aus italienischen Tavernen kennen, begrüßt er in breitem, aber auch für Norddeutsche gut zu verstehendem Fränkisch das Celler Publikum, lässt eigens das Licht noch einmal anschalten, damit er weiß, mit wem er es zu tun hat. Ja, der Kollege hat recht, diese Damen und Herren brauchen ein anderes Programm. Waltraud und Mariechen, beide verwitwet und die Ältere von beiden Jahrgang 1928 – Waltraud hält ihr Alter bedeckt -, werden hoffentlich bald aus Hannover, ihrer letzten Station auf der Anreise aus Fürth, eintreffen. Bis dahin werden wir unterhalten von den schon anwesenden zwei der vier Franken – Volker Heißmann und Martin Rassau.

Zum dritten Mal war das fränkische Comedy-Duo in Celle zu Gast. Der Große Saal der Congress Union ist fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Publikum geht von Beginn an begeistert mit, lacht, klatscht, beantwortet bereitwillig alle Fragen und nimmt vor allem die häufigen Anspielungen auf das Durchschnittsalter jenseits der 60 kein bisschen übel.

Als die Krankenhauskantine beliefernder Assistenzarzt beziehungsweise Metzger, verzweifelter Postkunde, ambitionierter Bewerber um den Job als Weihnachtsmann und betrunkener Halbtagskellner wird Heißmann belehrt und zurechtgewiesen vom arroganten Chefarzt, übergenauen Postagenturangestellten, genervten Arbeitsvermittler und nüchternen Oberkellner – alle gespielt von Rassau -, um am Ende dann doch als naiver Tölpel zu triumphieren über den intellektuellen Besserwisser.

Als Mariechen und Waltraud endlich mit der Bahn aus Hannover eingetroffen sind und uns teilhaben lassen an ihrer Unterhaltung über moderne Kommunikationstechnik und soziale Netzwerke, erreicht die Stimmung ihren Höhepunkt. Schon ist es Zeit, dass sich die beredten Witwen mit einem Lied verabschieden. In hinreißenden Damenkleidern besingen Heißmann und Rassau Waltraud und Mariechen als die „Schönen Damen von Fürth“ so lustig und temperamentvoll, dass es die Zuschauer kaum auf den Stühlen hält.

Von Anke Schlicht