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Celle Stadt Zwei Heidedichter unter sich
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zwei Heidedichter unter sich
12:33 06.05.2014
Tobias Sosinka (Mitte) moderierte die Begegnung zwischen Schmidt-Forscher Bernd Rauschenbach (links) und Löns-Vertreter Peter Schanz. Quelle: Alex Sorokin
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Hermann Löns (1866–1914) wurde bei der von Chefdramaturg Tobias Sosinka moderierten Begegnung durch den „dilettierenden Hobbyisten“ Peter Schanz vertreten, Arno Schmidt (1914-1979) durch den renommierten Schmidt-Forscher Bernd Rauschenbach. Ob eine wirkliche Begegnung der beiden so unterschiedlichen Literaten tatsächlich so verlaufen wäre wie bei dieser Inszenierung, blieb offen. Die geführten fiktiven, bisweilen stichelnden Gespräche boten allerdings reichlich Diskussionsstoff: Hier der Großstädter Löns, der die Heide als (Zu-)Fluchtort nutzte, dessen Flora und Fauna er sich als „besessener Naturbeobachter“ hingab, wo er sich aber – sei es bei der Jagd oder beim zwischenmenschlichen Mitein-ander – auch „nach Herzenslust austoben“ konnte. Dort der zurückgezogen lebende Schmidt, den nicht das pittoreske Gesamtwerk Heide reizte, sondern ihre Details, die Weite, die Wiesen, die Wälder und Bäche, um sie als adäquate Kulisse und Bühne für seine Protagonisten zu nutzen.

Neben ihrer unterschiedlichen Affinität zur Heidelandschaft kamen auch ihre ebenso unterschiedlichen Ansichten über Sexualität und Treue sowie ihre suchtspezifischen Abhängigkeiten zur Sprache, ohne wirkliche Gemeinsamkeiten dabei zu entdecken. Und als Schanz am Ende anregte, im Glockenspiel in der Altstadt dem Hermann Löns einen Arno Schmidt zuzugesellen, wiegelte Rauschenbach im Sinne der Arno-Schmidt-Stiftung augenzwinkernd ab: „Wir könnten eine solche Petition zwar nicht verhindern, aber wir würden sie nicht unterstützen.“

Von Rolf-Dieter Diehl