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Celle Stadt Zwei Stunden pianistische Leidenschaft
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zwei Stunden pianistische Leidenschaft
12:35 21.02.2014
Pianist Sunghoon Simon Hwang begeisterte sein Publikum in der Friedenskirche Celle. Quelle: Alex Sorokin
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Das restlos begeisterte Publikum erlebte zwei Stunden pianistische Leidenschaft zwischen filigransten Glitzertönen und voluminösem Tastenklang, als Hwang mal genüsslich auf den Tasten lustwandelte wie beim Adagio der Ginastera-Sonate und mal in furiosem Wirbel auf ihnen tanzte wie beim finalen Vivace der Prokofjew-Sonate. Doch in einer gelungenen Mischung aus Impulsivität, Temperament und strengem Ordnungswillen wusste er die furiose Akkordflut immer wieder zu klar konturierten Melodielinien zu bändigen. Er donnerte nicht einfach drauf los, wie manch anderer bei Prokofjews „Kriegssonate“, im Gegenteil: Wo andere nur Illusionen aufbauen, dringen bei diesem Tastenvirtuosen Kräfte aus der Musik, die tiefer gehen. Hwang nahm das Publikum mitten hinein in die Musik, wie er sie versteht. Auch Gubaidulinas enorm klangmächtige, in ihrem zweifelnden Grundton kurz vor der Explosion stehende „Chaconne“ war von einem ungemein dramatischen Impuls durchzogen, der die Entfesselungen, das Entgrenzte ohne Abstriche zur Wirkung brachte.

Es war wie eine Lehrstunde: Technisch versiert und mit unüberhörbarem Willen zum kompromisslosen Ausdruck, verlieh Hwang seinen Wettbewerbsstücken ein jeweils individuelles, zwischen sanfter Lyrik und martialischer Härte variierendes Profil. Dabei wusste er mit einem kleinen Vibrato hier und da oder weicherem Gebrauch des Pedals immer sehr geschickt jeden Anflug von übertriebener Aggressivität zu unterbinden.

Von Rolf-Dieter Diehl