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Celle Stadt Zweijähriger Junge aus Celle stirbt nach EHEC-Infektion (aktualisiert)
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Zweijähriger Junge aus Celle stirbt nach EHEC-Infektion (aktualisiert)
19:13 14.06.2011
Die EHEC-Epidemie hat in Celle ein zweites Todesopfer gefordert. Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

Tagelang haben die Ärzte der Medizinischen Hochschule (MHH) in Hannover um das Leben eines Zweijährigen aus Celle gekämpft, in der Nacht zum Dienstag starb der Junge durch Nierenversagen und eine sogenannte Hämolyse, die Auflösung der roten Blutkörperchen. Am 5. Juni war er von Oldenburg aus, wo sich der Junge nach Angaben eines Sprechers des Landkreises Celle bei Verwandten zu Besuch aufhielt, als die Krankheit ausbrach, nach Hannover verlegt worden. „An der Tatsache, dass er sofort auf die Intensivstation kam, kann man erkennen, dass der Gesundheitszustand bereits sehr schlecht war, als er zu uns kam“, so ein MHH-Sprecher gestern.

Der junge Patient bekam Blutwäsche und wurde mit dem Wirkstoff Eculizumab behandelt. Doch es half ihm nicht mehr. Er starb an den Folgen des Hämolytisch-Urämischen Syndroms (HUS), das durch die Infektion mit dem EHEC-Erreger ausgelöst wurde. Insgesamt erhöhte sich die Zahl der Todesopfer damit bundesweit auf mindestens 36, davon 12 in Niedersachsen.

Der Junge ist nach einer 89-jährigen Frau, die im Allgemeinen Krankenhaus (AKH) gestorben war, das zweite Todesopfer, das die EHEC-Epidemie im Landkreis Celle gefordert hat. Zugleich ist er das erste Kind überhaupt, das infolge der jüngsten EHEC-Erkrankungen starb. Wie das Robert-Koch-Institut mitteilte, waren bei früheren EHEC-Ausbrüchen allerdings bereits in der Mehrzahl Kinder betroffen. Dies galt auch für die Todesfälle.

Nach Angaben von Amtsarzt Carsten Bauer waren in der betroffenen Celler Familie neben dem Zweijährigen auch ein zehnjähriger Bruder sowie der Vater erkrankt. Beide sind inzwischen auf dem Weg der Besserung. Wie sich die Familie mit dem Erreger angesteckt hat, ist noch unklar.

Unterdessen gehen die Infektionszahlen für den jüngsten Ausbruch der schweren Darmerkrankung weiter zurück. Im Landkreis Celle ist die Zahl der Patienten, die im AKH mit Verdacht auf EHEC behandelt wurden, laut Sprecher Robert Berrisch über die Pfingsttage auf acht gesunken. Aktuell liegt die Zahl der bestätigten EHEC-Infektionen in ganz Deutschland bei etwa 4000.

Gegen den als EHEC-Quelle geltenden Sprossenerzeuger in Bienenbüttel wurde Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung und gemeingefährlicher Vergiftung erstattet. Anzeigeerstatter sei ein Bürger aus Münster, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Lüneburg. Er stütze die Anzeige vor allem auf Presseberichte, persönlich sei er nicht betroffen. Die Staatsanwaltschaft leitete die Anzeige an die zuständige Zentralstelle für Landwirtschaftsstrafsachen in Oldenburg weiter.

Die Verbraucher fassen nach der Entwarnung für Gurken, Tomaten und Salat durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) langsam wieder Vertrauen. Wie Marktbeschicker Wilfried Müller aus Wiedenrode berichtete, hat der „Verkauf von Salaten am Sonnabend auf dem Celler Wochenmarkt wieder deutlich angezogen.“ Müller und seine Kollegen hoffen jetzt, dass die schwierigste Phase überstanden ist. Salatsprossen, vor deren Verzehr in jeglicher Form das BfR derzeit warnt, hat er sowieso nicht im Angebot.

Auch der Inhaber der Saft- und Salatbar in der Celler Schuhstraße, Antonio de Ciantis, hat die Salatsprossen gänzlich aus seinem Angebot verbannt und bezieht nach eigenen Angaben nur Waren, bei denen eine Garantie abgeben wurde, dass sie unbedenklich sind.

Von Tore Harmening